PRIME Skiing Magazine
8. Februar 2026

Auf Instagram und in sonstigen Medien sehen wir stets Bilder, die uns vorgaukeln wollen, dass die Welt nur aus Champaign Powder und perfekten Untracked Faces bestehe. Selten bekommt man Bilder kredenzt, die näher dran sind an der Wirklichkeit der meisten Tage von uns Skifahrern. Filterblasen und Strava-Rekorde verstärken diesen Eindruck noch. Um in dieser Illusion von Perfektion nicht völlig verloren zu gehen, sind eigene Rea­litätsfilter, sprich, ist Haltung gefragt. Entscheidungen auf die Frage, wie man mit dem umgeht, was gerade ist – auch dann, wenn es unbequem, unerquicklich oder enttäuschend ist. Vielleicht ist es kein Zufall, dass sich viele ­Geschichten dieser Ausgabe genau darum drehen. Nicht um ideale Bedingungen, sondern um den Umgang mit weniger per­fek­ten. Weniger Spektakel, weniger Überhöhung, weniger Drang, ständig etwas beweisen zu müssen. Stattdessen: Stil. Gelassenheit. Das Beste aus den gegebenen Umständen machen. Am deutlichsten wird das in unserer Story aus Nordnorwegen. Schlechte Sicht, wechselhaftes Wetter, seltene Deep Turns. Viele Tage waren zäh, manche frustrierend. Und genau darin lag die eigentliche Herausforde­rung: trotzdem hinauszugehen, Linien zu lesen, Pausen zu akzeptieren und die Tage zu nehmen, wie sie kommen. Nicht jeder Run wurde zum Highlight – aber jeder Tag hatte seinen eigenen Wert. Nicht trotz der Bedingungen, sondern wegen ihnen. Ein ähnliches Mindset zeigt sich im Porträt von Grant Gunderson – wenn auch auf ganz andere Weise. Seine Arbeit lebt nicht vom perfekten Moment, sondern von Aufmerksamkeit, Präzision und dem Vertrauen darauf, dass gute Bilder nicht erzwungen werden können. Manchmal besteht der wichtigste Schritt darin, nichts zu tun. Zu warten. Oder bewusst stehen zu lassen, was sich nicht richtig anfühlt. Auch das ist eine Form von Stil. Diese findet sich im Gespräch mit Finn Bilous wieder, dessen Leben zwischen Hemisphären, Wintern und Ozeanen pendelt. Für ihn ist Skifahren kein Dauerfeuer an Höhepunkten, sondern Teil eines größeren Rhythmus. Einer Bewegung mit Pausen, Umwegen und Tagen, an denen andere Dinge wichtiger sind als ein weiterer Clip oder ein weiterer Run. Vielleicht ist das kein Trend, sondern eine Notwendigkeit. In einer Zeit, in der alles optimiert, verglichen und bewertet wird, wirkt es fast radikal, das Imperfekte anzunehmen. Wer lange genug draußen unterwegs ist, weiß: Nicht jeder gute Tag liefert Bilder. Nicht jede Reise endet im Powder. Und trotzdem lohnt es sich. Diese Ausgabe erzählt von genau dieser Haltung. Vom Genießen der Tage, auch wenn sie nicht liefern. Vom Weitermachen ohne Spektakel. Und von einem Stil, der nicht laut sein muss, um Wirkung zu entfalten. Stil vor Spektakel ist keine Parole. Es ist eine Entscheidung. Vielleicht ist sie gerade jetzt wichtiger denn je. Euer fast perfekter PRIME-Styler Roman

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