Manege frei für die Liebe

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ROMAN

Kerstin ist großer Zirkus-Fan und freut sich darauf, endlich mal wieder eine Vorstellung besuchen zu können. Noch mehr gefällt ihr aber die Begleitung für den Abend ... geschleppt, das sie finden konnte.

Schade, dass du noch keine K inder hast“, beklagte sich Kerstin bei ihrer Tochter. „Dann könnte ich mit ihnen in den Zirkus gehen!“ „ Aber Mama!“ Maren lachte auf, wirkte aber etwas verstört. „Wie kommst du denn auf sowas? Außerdem – ich bin noch dabei, meinen Doktor zu machen. Würdest du wollen, dass ich schwanger werde? “ „Du hast ja recht.“ Kerstin war so stolz auf ihre Tochter – sie war die Erste in der Familie, die studierte, und das auch noch Medizin! Kerstin selbst war K rankenschwester und hatte Maren immer vermittelt, wie schön es war, Menschen dabei zu helfen, gesund zu werden. Maren hatte schon in ihrer K indheit viel Zeit im K rankenhaus verbracht – Kerstin war nach der Scheidung alleinerziehend gewesen und hatte oft Schwierigkeiten gehabt, die Betreuung ihrer Tochter mit ihrem Job zu vereinbaren. Aber irgendwie hatten sie es hinbekommen …

„Ich will aber so gerne in den Zirkus!“ Kerstin war bewusst, dass sie wie eine Fünfjährige klang. Doch seit sie das Zelt entdeckt hatte, das der Zirkus auf der großen Festwiese aufgeschlagen hatte, ließ sie der Gedanke nicht mehr los. Sie liebte es, in den Zirkus zu gehen! Als kleines Mädchen hatte sie davon geträumt, mit einem Zirkus durch die Welt zu reisen. Der Traum hatte sich nicht erfüllt, aber sie hatte Maren in jedes Zirkuszelt Und fand es am allerschönsten, zu erleben, wie K inder beim A nblick des Geschehens in der Manege strahlende Augen bekamen. „Willst du sonst vielleicht mitkommen? “, fragte sie jetzt. „Mama! Ich habe in meinem L eben schon eine Ü berdosis Zirkus abbekommen. Such dir doch bitte ein K ind, das du damit glücklich machen kannst …!“

Sie sehnte sich danach, wieder Glück zu spüren
Fotos: iStock

Einige Freundinnen von Kerstin hatten bereits Enkelkinder, aber die waren alle noch zu klein für einen Zirkusbesuch. Ein paar ihrer jungen Kolleginnen hatten K inder im passenden A lter, Kerstin zögerte jedoch, sie zu fragen. Irgendwie würde das komisch wirken … Sie dachte noch darüber nach, als sie zu Herrn Hübner ins K rankenzimmer ging. Mit seinen 87 Jahren hatte er sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen, und Kerstin mochte an ihm, dass er nicht klagte, sondern immer freundlich war. „Herr Hübner“, begrüßte sie ihn jetzt. „Sagen Sie mir doch mal, wo ich ein K ind herbekomme.“ Der alte Herr stutzte. „Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen …“, meinte er dann. „Sind Sie dafür nicht ein bisschen zu alt?“ Kerstin lachte auf. „So meinte ich das nicht“, erklärte sie dann und erzählte ihm von ihrer Liebe zum Zirkus. „ Aber allein macht ein Besuch keinen Spaß“, fügte sie hinzu. „Am schönsten is