Die letzte Reise BEGINNT VOR DEM TOD

2 min lesen

GENERATION WOW

Ihr Lebensende möchten die meisten Menschen zu Hause verbringen. Wie wir unseren Lieben diesen Wunsch erfüllen können

Und, was ziehst du auf deiner Beerdigung an?“ Es ist eine rosafarbene Karte, auf der diese Frage zu lesen ist. Sie steht auf einem Tisch in der Mitte des Raumes und sticht mir direkt ins Auge. Trotzdem muss ich zweimal hinschauen, um die Bedeutung wirklich zu erfassen.

Ich besuche heute mit 13 anderen Frauen einen Letzte-Hilfe-Kurs im Albertinen Hospiz in Norderstedt. Ja, genau: letzte Hilfe, nicht erste. Hier geht es nicht darum, das Überleben zu sichern, sondern Leiden zu lindern, wenn der Tod unausweichlich ist. Wir sollen dazu befähigt werden, unseren Lieben in ihrer letzten Lebensphase beizustehen.

Die Vorstellungsrunde ist emotional: Viele haben bereits einen nahestehenden Menschen während des Sterbens begleitet. Anderen steht genau das kurz bevor. Uns alle eint, dass wir uns auf diese Aufgabe und den Abschied besser vorbereiten wollen. Dass wir sprechen möchten über die tabuisierten Themen Tod, Sterben und Trauer.

„Jeder Mensch stirbt anders“, sagt Palliativ-Pflegerin Sabine Bornhöft, die den Kurs gemeinsam mit der ehrenamtlichen Sterbebegleiterin Parissa Schulz-Pedersen leitet. Trotzdem gebe es Anzeichen, an denen wir das nahende Lebensende erkennen können: Weniger Interesse an den Mitmenschen, Müdigkeit, Hunger und Durst lassen nach, teilweise lange Atempausen von bis zu einer Minute, Verwirrung, getrübtes Bewusstsein.

Meist reagieren Sterbende ab einem gewissen Punkt nicht mehr auf ihre Umwelt. Wahr nehmen sie sie aber dennoch. „Der Hörsinn ist der erste, der sich entwickelt, und der letzte, der schwindet“, erklärt Sabine Bornhöft. Mit unserer Stimme können wir daher Sicherheit vermitteln.

Spüren, dass jemand da ist : Schon das allein kann viel Leiden lindern. Auch Berührungen und sanfte Massagen helfen, die meisten Menschen entspannen dabei. Weil sich das Körpergefühl am Ende des Lebens ändert, sollen wir die Person am besten flächig anfassen. Außerdem lernen wir, warum wir unsere Hand lieber nicht auf die unserer Lieben legen, sondern darunter schieben: „So gebt ihr ganz viel Nähe, aber die Sterbenden können den Kontakt jederzeit ohne viel Kraftaufwand beenden.“

Trauer hat eine Million Gesichter

Es ist gut zu wissen, wie ich den Sterbeprozess eines Menschen angenehmer gestalten kann. Wie die Mundpflege funktioniert, dass ein Stillkissen ein gutes Mittel ist, um die Lagerung im Bett anzupassen, oder welcher Akupressurpunkt gegen Übelkeit hilft. Neben solchen praktischen Tipps geht es im Kurs aber auch um Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen, die Struktur der palliativen Pflege.