Die Dame in der Straßenbahn

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Dem Verbrechen auf der Spur …

Der Dienstwagen der Kommissare ist in der Werkstatt, ein Poolfahrzeug an diesem Tag nicht verfügbar – und auf Fahrrädern trauen sich Haller und Barth nicht in die Innenstadt …

Kommissar Haller

Bitte helfen Sie mir, den Täter zu finden!

Nein!“, entschied Haller entschlossen, und Barth entschied ebenso entschlossen: „Doch!“ Dieser knappe Dialog wiederholte sich vor dem Eingang des Polizeipräsidiums noch mindestens dreimal, bevor der ältere Kommissar das wahrscheinlich zu keinem Ergebnis führende Spiel beendete, indem er die Hände hob und noch einmal rief: „Nein! Ich fahre nicht mit einem Linienbus ins Stadtzentrum, ich fahre nie mit einem Bus. Eher leihe ich mir von den Kollegen von der Hufhorde ein Polizeipferd aus und reite in die City! Aber nicht mit einem Bus! Nein!“ Mit sanftem Druck geleitete der junge Kommissar seinen durch die größere Reparatur ihres Dienstwagens völlig aus dem Fortbewegungsgleichgewicht geratenen Kollegen vom Eingang weg, neben dem sich schon die ersten Fenster neugieriger Lauscher öffneten. Haller bockte trotzdem weiter. „Ich möchte nicht durch drei Achselhöhlen von Fahrgästen kriechen, um ins Innere des Busses zu gelangen, ich möchte nicht neben einem Kerl mit einem riesigen Rucksack stehen und ich möchte mich auch nicht mit zwei Händen an einer schmierigen Stange festhalten müssen. Ich möchte nicht Bus fahren!“

Nach einer weiteren Gesprächsrunde einigten sich die beiden Beamten dann doch auf einen Kompromiss, der ihnen die Anreise zum geplanten Seminar ermöglichen würde – die Straßenbahn. Dabei erlaubte sich der nahverkehrserfahrene Christoph Barth, der in seiner Freizeit nicht nur wegen eines guten Gewissens gern und oft mit der Straßenbahn fuhr, aufgrund des seelischen Zustandes seines Partners, ein kleines, aber nicht unwesentliches Detail zu verschweigen: Sie würden in der Stadt umsteigen und sich in einer anderen Bahn noch einmal einen Platz suchen müssen. Hallers Freude, aus dem Fenster schauen und die Landschaft zwischen den Altbauten genießen zu dürfen, konnte möglicherweise also nur von kurzer Dauer sein. Der Kriminalhauptkommissar erfuhr von dieser weiteren, hinterhältig auf ihn wartenden Qual am Ende der ersten Fahrt und er trug diese Information mit Fassung durch die sich mit einem dezenten Zischen öffnende Tür.

Fotos: Panthermedia, pixabay

An der Umsteigehaltestelle positionierte Barth den Kollegen Vorgesetzten links neben sich, nicht zu nah, um ihn nicht zu bedrängen, aber auch nicht zu weit, um ihm bei einem Rückfall in das Teenageralter einen Kaugummi oder ein Blatt und Buntstifte zur Beruhigung reichen zu können. Gemeinsam betrachteten sie das für die Bahnen der Linien zwei und drei reservierte Gleis vor sich, während sie

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