Positiver denken, besser entscheiden

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Spannende Entdeckung der Wissenschaft: Wer unbeschwert durch den Alltag geht, lebt nicht nur glücklicher, sondern trifft auch klügere Entscheidungen. So nutzen Sie die Kraft der Zuversicht

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Meistens bekommen wir es selbst gar nicht mit, wenn wir in eine Denkfalle tappen, weil unser Gehirn uns einen Streich spielt. Die Folgen aber sind häufig schlechte Entscheidungen, die wir hinterher bereuen. Der Nobelpreisträger und Psychologe Daniel Kahneman hat herausgefunden, auf welchen Effekten die häufigsten Denkfallen beruhen und wie wir sie vermeiden können. Wenn wir diese Effekte erkennen und die Fallen vermeiden, wird unser ganzes Denken letztlich positiver, und wir treffen dadurch am Ende die besseren Entscheidungen.

Der Sichtwinkel-Effekt: warum eine halbe Stunde alles verändert

Stellen Sie sich vor, Sie sollen über die Fähigkeiten von Anwärtern auf eine Stelle als Lehrer oder Filialleiter entscheiden. Sie geben jedem Kandidaten dazu eine Aufgabe, z. B. eine Probestunde, und beurteilen die Vorgehensweise – also eine ganz ähnliche Situation, vor der Personalverantwortliche täglich stehen. Relativ schnell kristallisieren sich Sieger und Verlierer heraus: Es lassen sich sogar lange Einschätzungen schreiben, warum manche eine Position gut und andere sie schlecht ausfüllen werden.

Daniel Kahneman und seine Kollegen analysierten solche Urteile und verglichen sie mit den späteren Lebensläufen der Kandidaten. Das Ergebnis: Die Prognosen waren völlig fehlerhaft, in der Rückschau waren sie nur wenig besser als blindes Raten. Warum? Obwohl wir scheinbar zu einer Vielzahl von Faktoren wie Schnelligkeit, Kreativität oder auch Intelligenz der Person eine Meinung entwickeln, ist es statistisch nur ihr Verhalten in einem vielleicht halbstündigen Ausschnitt innerhalb eines ganzen Lebens. Psychologen nennen das: die Illusion des Verstehens. „Wir können einfach nicht anders, als mit den wenigen Informationen, die wir besitzen, so zu verfahren, als wären sie alles, was man über das Thema wissen kann“, erklärt Kahneman. Unser Gehirn spielt uns hier also ganz einfach einen Streich.

Tipp: Machen Sie sich bewusst, dass der erste Eindruck häufig täuscht. Nehmen Sie sich wirklich die Zeit, um hinter die Fassade zu schauen – und so bessere Entscheidungen zu treffen. Ein guter Nebeneffekt: Sie erkennen so, dass etwa die Unfreundlichkeit oder auch die Ablehnung anderer Menschen Ihnen gegenüber in der Regel nichts mit Ihrem wahren Ich zu tun haben, sondern einzig und allein auf einem unvollständigen Bild beruhen, das sich andere von Ihnen gemacht

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