ZUFLUCHT IM NATIONALPARK

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IN DER UKRAINE LIEGEN EINIGE DER LETZTEN URWÄLDER EUROPAS. SIE STEHEN AUCH DANK DEUTSCHER SPENDEN UNTER SCHUTZ. JETZT BIETEN SIE MENSCHEN SCHUTZ VOR DEM KRIEG.

TEXT JULIA GRAVEN FOTO VITALIY SOLOPCHUK

ZGF-Projektleiter Vasyl Mochan (l.), Michael Brombacher (M.) und Vasyl Pryndak, Leiter des Skolivsky-Beskidy-Parks, räumten für Binnenflüchtlinge Büros im Verwaltungsbau.

Es war keine normale Dienstreise. Michael Brombacher hatte in dieser kalten, dunklen Woche im Advent weder Anzug noch Krawatte dabei. Dafür steckten in der Tasche, die er während der gesamten Zugfahrt nicht aus den Augen ließ, eine Stirnlampe, Zusatzakkus für das Handy, die wichtigsten Ausweise und Dokumente, Wasser und ein dicker Daunenschlafsack. „Ich war schon sehr angespannt“, erzählt er.

Dabei war es nicht seine erste Reise in die Ukraine. Seit fast zehn Jahren ist Brombacher immer wieder im Land. Als Europa-Verantwortlicher der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft (ZGF) kümmert er sich darum, dass in den Karpaten eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Europas geschützt wird. Es ist das größte Projekt der ZGF in Europa, Teile sind UNESCO-Weltnaturerbe. „Buchenwälder bis zum Horizont, wie es sie bei uns nirgendwo mehr gibt“, schwärmt Brombacher. Doch mit dem Krieg wurden die Schutzgebiete für die Natur zu Zufluchtsorten für Menschen.

Beim Team in der Zentrale in Lwiw und auch in den deutschen Büros der ZGF war nach der russischen Invasion am 24. Februar 2022 schnell klar: Humanitäre Hilfe hat nun allerhöchste Priorität. Die Frankfurter Zentrale der Naturschutzorganisation wurde zum Krisenzentrum, wo sich Pakete mit Spenden stapelten. „Auch wenn das nicht unsere zentrale Kompetenz ist – es musste einfach getan werden“, erzählt Michael Brombacher im Videotelefonat aus dem Homeoffice.

Sechs Tage nach dem russischen Überfall fuhr der erste ZGF-Transport mit Hilfsgütern von Rumänien aus in die Ukraine. Die Naturschützer waren schneller als manche der großen Hilfsorganisationen – und sehr flexibel. Schon bald kamen in den Verwaltungsgebäuden erste Menschen unter, die ihre Wohnungen in Kiew, Charkiw oder Odessa verlassen hatten. Vor allem Frauen und Kinder zogen in die Büros, Besucherzentren und Gästezimmer ein, mit wenig mehr als dem, was sie am Leibe trugen. Doch sie waren hier vor Angriffen sicher, es gab Elektrizität und Wasser. Handwerker aus der Gegend zimmerten Hunderte von Betten zusammen, die ZGF sorgte f�

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