DAS BESTE*MOTORRAD DER WELT *VIELLEICHT

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Zugegeben, ein wilder Claim – den wir schon allein aus rechtlichen Gründen mit Sternchen versehen mussten. Warum, oder genauer für wen, Triumphs neue 95-PS-Daytona zum Preis von unter 10 000 Euro aber tatsächlich das beste Motorrad der Welt sein könnte, erzählt der Fahrbericht.

Autor: Johannes Müller jo@ps-online.de Fotos: Triumph, Jörg Künstle (1)

Sportmotorräder: Bald 20 Jahre beklagten wir die sinkende Marktbedeutung des radikalsten aller Motorradsegmente. Nun findet eine Art Comeback statt. Der Kniff dabei? Die Sportmotorräder neuen Typs entledigen sich jener Radikalität, die sie auf der real existierenden Landstraße zunehmend unbefriedigend und im real existierenden Showroom zunehmend unbezahlbar gemacht hat. Honda, Aprilia, Yamaha, Suzuki – nun tut Triumph es: ein im Grunde einfaches, allürenfreies, günstiges Motorrad mit Vollverkleidung und Lenkerstummel für jedermann und jederfrau bauen. Zwischen 75 und 95 PS stark, notfalls 105, weitgehend frei von Rennstreckenambition, dafür die Belange von Landstraße, Alltag und der ausgedehnten Solo-Tour im Blick. Nennen wir es Alltagssportler.

Spannend dabei, dass es noch keine feste Konvention gibt, wie viel Sport und wie viel Alltag es sein soll. Man probiert allenthalben mit ganz unterschiedlichen Ausgangslagen und mit ebensolchen Ergebnissen. Triumphs Vorschlag Daytona 660 baut auf der aus Trident und Tiger Sport 660 bekannten, dort 80 PS starken Triple-Einstiegsplattform auf. Sie erhält deren Zugänglichkeit und Manieren, erweitert das Kompetenzspektrum aber kräftig in Richtung Fahrmaschine.

Beispiel Motor. Die Stärken des 660er-Triple-Grundgerüsts kennt man: Früher als die besten Zweizylinder ist der Reihendreier ruck und stotterfrei zur Stelle, verglichen mit einem Vierzylinder gleicher Klasse ist wiederum deutlich früher Druck auf dem Kessel. Gewohnt fein lassen sich die sechs Gänge sortieren, die leichtgängige Kupplung bietet eine Anti-Hopping-Funktion, gegen Aufpreis gibt es Quickshifter/Blipper, das Motormanagement ist durch alle drei Fahrmodi (Rain, Road, Sport) so smooth, wie man es sich nur wünschen kann. All das konnte man ahnen. Wie viel mehr Brause die extra 15 Zusatzpferdestärken entfalten, überrascht aber. Wirkte der Trident-Motor oben zugeknöpft, lodert das Daytona-Triebwerk bis reichlich 12 000 Touren. Und bietet ambitionierten Besatzungen daher deutlich mehr Spielmasse. Man soll sich zwar nicht so aus dem Fenster lehnen – doch dieser dürfte der in Summe seiner Eigenschaften attraktivste 95-PS-Motor im Sinn