„Auf den Schrott?“

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Horror-News aus sozialen Medien fluten das Internet und verunsichern Eigner älterer Fahrzeuge. Was soll das und wer profitiert davon?

Nicolas Streblow, Redakteur bei MOTORRAD Classic und stolzer Besitzer diverser Alteisen. kolumne@motorradonline.de Foto: Katrin Sdun

Stellen wir uns mal diese Hinterhof-Szenerie vor: mondlose Nacht, stockfinster. Im fahlen Schein des Lichts, das aus der Werkstatt in den Hof fällt, laden zwei Männer das Fragment eines Motorrads aus. Das seltene Stück ist ein Survivor, ein überlebendes Exemplar eines Typs, von dem es nur noch eine Handvoll geben soll. So genau weiß das keiner. In aller eiligen Heimlichkeit soll es heute Nacht noch komplettiert, dann morgen vorgeführt und als betriebssicher abgenommen werden. Und alles, bevor der Kontrolleur der EU kommt, der es nach einem anonymen Hinweis verschrotten lassen will. Verhindern kann das nur der „TÜV“-Stempel. Von der Reparatur darf der nichts wissen, denn die war illegal …

Würden Sie so was glauben? Oder womöglich das hier: Alle Fahrzeuge über 15 Jahre werden enteignet und verschrottet. Reparieren verboten. Ungefähr so: Morgen kommen die Häscher aus Brüssel und konfiszieren den Oldtimer. Das Recht auf Eigentum wird abgeschafft. Ab ins Recycling, Rohstoffe sind wertvoll. Da kommt was zusammen, Motorräder in Deutschland sind aktuell im Durchschnitt 19 Jahre alt.

Hoppla, was ist denn da los? Wer nicht in den sogenannten sozialen Medien unterwegs war oder in Youtube darüber gestolpert ist, hat von all dem nichts mitbekommen. Bis, ja bis die EU-Kommission und der ZDK, also der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe, sich zu einer Klarstellung veranlasst sahen: alles Fake News, kompletter Blödsinn. Weder das Recht auf Eigentum noch darauf, eben jenes so oft und so lange reparieren zu lassen, wie man das möchte und es sich leisten kann, wird tangiert. Und schon gar nicht kommt jemand und krallt sich einen top restaurierten Oldtimer, um ihn sogleich der Wiederverwertung seiner Rohstoffe zuzuführen.

Trotzdem stand dergleichen auf Seiten wie Facebook, X, Instagram oder diversen Blogs und Webseiten von zumindest einem bekanntermaßen im rechten Spektrum zu verortenden Aktivisten, wie die Kollegen von auto, motor und sport herausgefunden haben. Was e