Nicht nur klagen: Wir ändern etwas

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Diese Frauen engagieren sich ehrenamtlich in der Kommunalpolitik. Ausgezeichnet, sagt auch das Bundesfamilienministerium

Die berufstätige Mutter eines Sohnes (2) kehrte nach dem Studium in ihre mittelfränkische Heimat zurück, um die Region nachhaltig mitzugestalten

FRANZISKA WURZINGER (33), GEOGRAFIN AUS HERRIEDEN

Anfangs war ich das jüngste Mitglied im Stadtrat. Heute sind wir zumindest vier Frauen im 20-köpfigen Rat. Als ich hierher zurückkam, hatte ich mich für den „Eine Welt Verein“ engagiert, aber wir stießen immer wieder an Grenzen. Mit einem politischen Mandat kannst du bestimmt mehr bewegen, war 2019 mein Gedanke, als ich einen Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen gründete. Gleich bei der ersten Wahl erhielten wir 20 Prozent. Wir haben bereits Förderprogramme gestartet, damit leer stehende Häuser neu genutzt werden. So kehrt Leben in die Dorfkerne zurück. Das Mandat mit Job und Familie unter einen Hut bekommen, klappt nur, weil mein Mann und unsere Eltern helfen. Doch dann sehe ich eine Bürgerin lächelnd auf der neuen Bank am Waldrand oder strahlende Kinder bei der Einweihung vom Spielplatz: Das Ergebnis unserer Mühen erleben, ist unbezahlbar.

Dieses Jahr wird das Superwahljahr. Weltweit werden so viele Menschen zur Wahlurne gehen wie nie zuvor. Auch hierzulande stehen neue kommunale Vertretungen und Landtage zur Wahl. Doch selbst nach über 100 Jahren Frauenwahlrecht spiegeln die aktuellen Zahlen eine verblüffende Bilanz: Nicht mal zehn Prozent der deutschen Rathäuser werden von Frauen geleitet. Es soll sogar noch Gemeinderäte geben, in denen ausschließlich Männer sitzen. Dabei machen Frauen über die Hälfte der Bevölkerung aus. Warum entscheiden dann so wenige in den Gremien vor Ort mit über die Themen, die ihre Heimat betreffen?

„Die Gründe sind vielschichtig“, weiß Cécile Weidhofer, die das Helene Weber- Kolleg leitet, eine bundesweite und überparteiliche Plattform für Kommunalpolitikerinnen. „Viel Kommunalpolitik findet noch immer in den Abendstunden statt. Da sich Frauen weiterhin mehr um die Familie kümmern, bleibt weniger Zeit für das politische Ehrenamt. Aber auch eingespielte Routinen und Netzwerke, oft abends ‚beim Bier‘, führen zu mehr männlichen Kandidaten.“ Digitale Sitzungen, begrenzte Redezeit und Kinderbetreuung könnten helfen, zählt sie auf. Aber auch Mentoring-Programme, wie die EAF Berlin sie in Kooperation mit dem Deutschen LandFrauenverband anbietet.

Im Asylheim geboren. Heute im Jusos-Bundesvorstand. Sie initiierte gerade einen Aktionsplan gegen Kinderarmut

HIBBA-TUN-NOOR KAUSER (24), STUDENTIN UND STADTVERORDNETE AUS OFFENBACH AM MAIN