Radfahren
21 April 2018

Ich nehm’s Rad Liebe Leserinnen, liebe Leser, Auch genervt vom täglichen Wahnsinn, der uns erwartet, wenn wir mit dem Auto in die Stadt fahren? Ich vermisse dann das freie Fahren, das ich beim Stadtradeln so liebe. Den Fahrtwind um die Nase. Den freien Raum, den man aus der Windschutzscheibenperspektive nie erlebt. Das spontane Anhalten, das gute Gefühl, elegant ans Ziel zu kommen, ohne einen Parkplatz suchen zu müssen. Ja, Stadtradeln ist Freiheit pur, selbst wenn man Verkehrsregeln beachtet und mit gelebter Rücksichtnahme gegenüber Fußgängern. Und wenn man Toleranz gegenüber gedankenlosen Autofahrern übt, die mir unbewusst die Vorfahrt nehmen oder mich beim Vorbeiradeln durch Aufklappen der Autotür in Gefahr bringen. Zugegeben, ein Umstieg aufs Rad und ein geändertes Mobilitätsverhalten bringen auch Gefahren mit sich. Sicherer unterwegs sind Radfahrer, die sich im Verkehr behaupten. Wer das macht, wird nicht übersehen. Studien zeigen, dass sogar ein aggressiver, selbstbehauptender Fahrstil sicherer ist. Zudem brauchen wir eine neue, angepasste „Infrastruktur von 8 bis 80, die immer sicher ist, die Fehler verzeiht und die attraktiv ist“, fordert Verkehrsforscher Martin Randelhoff. Optimal wären „Protected Bike Lanes“ – breite Radwege entlang der Hauptverkehrsachsen, physisch vom Verkehr getrennt, wie in New York und Portland. Sie haben dort das Radverkehrsaufkommen deutlich gesteigert. Ok, ok – in deutschen Großstädten geht es meist enger zu. Doch auch hier gibt es Luft, wie Studien zeigten: „Die Kapazität einer Straße sinkt nicht zwangsläufig, wenn man zwei Spuren zu einer zusammenlegt.“ Ein Versuch in Karlsruhe habe gezeigt, dass Autofahrer selbst zur Hauptverkehrszeit nur zehn bis zwölf Sekunden Verzögerung in Kauf nehmen mussten – kürzer als eine Rotphase. Bürgermeister aller Städte und Gemeinden, fördert den Radverkehr! Er macht die Stadt lebenswert. Und die Menschen glücklich. Alle, nicht nur mich. Daniel O. Fikuart, Chefredakteur

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