ARTENSCHUTZ MIT FÜSSEN GETRETEN?

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EIN US-HÄNDLER VERKAUFT STIEFEL, DIE ANGEBLICH AUS DEM LEDER GESCHÜTZTER ELEFANTEN GEFERTIGT WURDEN. EINE RECHERCHE.

TEXT DINA FINE MARON

ALS ICH DAS PAKET des Schuhhändlers Boot Barn öffnete, stieg mir der barriqueartige Duft von Leder in die Nase. Der untere Teil der gelieferten Stiefel hatte ein prägnantes Muster, faltig, rau im Griff. Im Schaft prangte ein Stempel: Genuine Elephant Leather – echtes Elefantenleder.

Zum Preis von 799,99 Dollar (knapp 760 Euro) wurden die Stiefel online beworben als „El Dorado Men’s Brass Indian Elephant Exotic Boots“ – Stiefel, die angeblich aus der Haut der vom Aussterben bedrohten Asiatischen Elefanten hergestellt wurden.

Nach vier Jahren als Reporterin für Wildlife Watch, einem von der National Geographic Society finanzierten Investigativprojekt, war mir längst klar, dass es für so ziemlich jede exotische Spezies einen Markt gibt. Stiefel aus asiatischem (oder „indischem“) Elefantenleder zu verkaufen, klang jedoch beispiellos – und potenziell rechtswidrig laut Washingtoner Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen (CITES). Asiatische und Afrikanische Elefanten sind gefährdete Arten. Wie konnte ein großer US-Einzelhändler solche Stiefel verkaufen?

IN FREIER WILDBAHN leben nur noch 400 000 Afrikanische und 50 000 Asiatische Elefanten, die meisten der Letztgenannten in Indien. Menschen stellen für sie die größte Bedrohung dar, und zwar durch den Verlust von Lebensraum und durch Konflikte zwischen Mensch und Tier auf Farmen und sonstigen Flächen. Zunehmend ist der Handel mit Elefantenhaut zu einem Problem geworden; manchmal verwendet man sie zur Herstellung von Glücksperlen, die in Myanmar und China getragen werden. Bisher gab es jedoch keine Berichte über Stiefel aus dem Leder Asiatischer Elefanten. Dies veranlasste NATIONAL GEOGRAPHIC herauszufinden, ob die Stiefel von Boot Barn tatsächlich Elefantenleder enthielten – und falls ja, wie sie von einem großen US-Einzelhändler verkauft werden konnten. Im Zuge meiner Recherche sprach ich mit Wildtier- und Handelsrechtsexperten, durchforstete CITES-Aufzeichnungen auf der Suche nach legalen Elefantenhautlieferungen und fand heraus, welches Unternehmen die Stiefel herstellte. Darüber hinaus waren Antworten schwer zu finden. In der Hoffnung, die Herkunft der Stiefel zu bestimmen, kaufte NatGeo schließlich ein Paar, um einen DNA-Test in Auftrag zu geben.

Doch ich greife vor. Vor dem Kauf hatte ich Boot Barn wochenlang angerufen und mich per Mail nach den Stiefeln und ihrer Herkunft erkundigt. Auf fast ein

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