DER NEUE PALAST DES PHARAO

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DAS NEUE AGYPTISCHE MUSEUM IST EIN MONUMENTALER PRACHTBAU FUR DIE LEGENDARE VERGANGENHEIT DES LANDES. AUCH DER SCHATZ VON KONIG TUTANCHAMUN WIRD GANZ NEU PRASENTIERT.

Text Tom Mueller Fotos Paolo Verzone

Ägyptens Reichtum an antiken Schätzen steigt mit jeder Ausgrabung – hier eine Stätte in der Nähe der Pyramiden von Gizeh. Das neue Museum befindet sich in Sichtweite der berühmten Monumente und zeigt das reiche kulturelle Erbe des Landes.
Viele Schätze Tutanchamuns, darunter diese kleine Statue, befanden sich bis vor Kurzem in dem beengten Ägyptischen Museum in Kairo, das 1992 eröffnet worden war. Im neuen Grand Egyptian Museum (GEM) werden nun erstmals viele Objekte gezeigt, die bisher eingelagert waren.

DER MUSEUMSDIREKTOR trägt bei der Arbeit Tarnkleidung und Kampfstiefel. Generalmajor Atef Moftah ist allerdings auch kein üblicher Museumsdirektor und das Große Ägyptische Museum (englisch Grand Egyptian Museum, kurz GEM) kein übliches Museum. Aus der Ferne wirkt das weitläufige Gebäude überdimensional. Die ausladenden, bugförmigen Konturen erinnern an ein riesiges Schiff, das in der Wüste auf Grund gelaufen ist. Bei näherem Hinsehen erkennt man, dass das Äußere des Gebäudes mit Dreiecken verziert ist. Diese Formen verweisen auf die Pyramiden von Gizeh, die gut zwei Kilometer entfernt von dem monumentalen Neubau in den Himmel ragen. Das Äußere des Gebäudes mag verwirrend erscheinen, die Botschaft aber ist klar: Dies ist ein Bauwerk für einen Pharao.

General Moftha, ein ausgebildeter Ingenieur mit stämmiger Figur und strammer Haltung, hat kurz geschnittenes Haar und eine zupackende Art. Gleichzeitig entsprechen sein freundlicher Gesichtsausdruck und feiner Humor nicht unbedingt dem typischen Image eines Militärkommandanten. Und sein entspanntes Auftreten überrascht angesichts des enormen Drucks, unter dem er steht.

Das GEM ist ein Vorzeigeprojekt der ägyptischen Regierung, mit dem vor 20 Jahren begonnen wurde, das aufgrund der Aufstände des Arabischen Frühlings und der Corona-Pandemie aber viele Jahre hinter dem Zeitplan liegt. In einem Land, das stark vom Tourismus abhängt, sollen General Moftah und seine Mitarbeiter dafür sorgen, dass das neue Museum ein durchschlagender Erfolg wird.

Während er über die breite Promenade zum Eingang des Gebäudes geht, deutet der General auf die hoch aufragenden Grabmonumente in der Ferne. Gerade wird ein Fußgängerweg gebaut, der das Museumsgelände mit den Pyramiden verbinden soll. Wieder dem Museum zugewandt, nennt General Moftah Zahlen: fast 45 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche,

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