SIE SIND ZU RÜCK

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DIE KORALLENRIFFE UM DIE SÜDLICHEN LINIENINSELN HABEN SICH ERHOLT – SO SCHNELL UND SO HERRLICH, WIE ES FORSCHER NIE FÜR MÖGLICH GEHALTEN HÄTTEN.

TEXT UND FOTOS ENRIC SALA

Blaue Rosen am Meeresgrund: Dieses Korallenriff rings um die Insel Vostok im Zentralpazifik verwandelte sich innerhalb von fünf Jahren von einem unberührten Paradies über eine hitzegeschädigte Ödnis zu dieser üppigen Schönheit. Die meisten der Blumenkohlkorallen fielen dem El Niño 2015/16 zum Opfer, doch diese blättrigen Montipora konnten sich halten – und das Riff zu neuem Leben erwecken.
FOTO: MANU SAN FÉLIX
Trubel am Riff: Rund um Vostok und andere Südliche Linieninseln leben so viele kleine Rifffische, dass sie eine gesunde Population großer Raubfische ernähren. Ein Grauer Riffhai schwimmt hier in einem Schwarm aus Füsilier-Riffbarschen und Bartletts Fahnenbarschen über MontiporaKorallen.

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Um dieses Wunder zu verstehen, müssen wir zurückblicken in den April 2009: Ich leitete damals eine Gruppe junger, enthusiastischer Meeresbiologen auf ihrer ersten Expedition zu den Südlichen Linieninseln, die zu Kiribati gehören. Ihr Name leitet sich von ihrem Ursprung in einem Untersee-Bergrücken quer über den Äquator ab – der „Linie“.

Unser Ziel war die erste wissenschaftliche Bestandsaufnahme von Meeresflora und -fauna in den Gewässern dieses Archipels, über das wir so gut wie nichts wussten. Um per Flugzeug und Schiff dorthin zu gelangen, brauchten wir länger als die Astronauten der Apollo-Missionen auf den Mond. Bei unserer Ankunft fanden wir ein Paradies vor: von Menschen unbeeinflusste Riffe aus blühenden Korallenurwäldern, die von Fischen wimmelten. Bei jedem Tauchgang begegneten wir gefährdeten Arten, zum Beispiel dem imposanten, bis zu 1,80 Meter langen Napoleon-Lippfisch. Und uns wurde klar: Wir hatten nicht gewusst, wie naturbelassene Riffe wirklich aussehen.

Der Fischreichtum rings um die Inseln ließ sich leicht erklären: Wegen ihrer abgeschiedenen Lage etwa 3200 Kilometer südlich von Hawaii gab es dort keine Fischerei. Aber würden die Riffe auch der fortschreitenden globalen Erwärmung standhalten? 1997/98 hatte ein heftiger El Niño – eine periodisch auftretende Meereserwärmung – ein Korallensterben quer durch den Pazifik ausgelöst. Da sich die Korallen an den Südlichen Linieninseln 2009 in derart gutem Zustand befanden, hielten wir es für möglich, dass sie auch einem weiteren Temperaturanstieg gewachsen sein würden – sofern sie vor sonstige

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