ÜBER LEGEN STOCK STEIN

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TEST

Das Gravelbike gilt nicht mehr nur unter Insidern als die Gattung Rad mit dem breitesten Einsatzspektrum seit der Draisine. Diese Allroundqualitäten machen die Suche nach dem besten Modell der Mittelklasse nicht einfacher. Gemeinsam haben TOUR und MYBIKE nach dem Multitalent unter den Alleskönnern gesucht.

GRAVELBIKES: DIE GROSSE FREIHEIT

Mit dem Hybriden aus sportlichem Straßenrad und robustem Geländebike hat man die große Freiheit bei der Wahl des Terrains und des Modells.

Gar nicht lange her, da hätte man zum Gravelbiketest geladen und die komplette Marktpräsenz hätte samt Karton ins Redaktionsbüro gepasst. In den letzten Jahren ist der neueste Sprössling der Radbranche nicht nur erwachsener geworden, sondern auch zahlreich und divers – mit Preisspannen von 10.000 Euro, Ausstattungsvarianten in kaum zählbaren Kombinationen, Spezialisierungen in jede erdenkliche Richtung und Markennamen, die man davor noch nie wahrgenommen hat. Um einen fairen und verbraucherfreundlichen Test organisiert zu bekommen, musste das Feld eingegrenzt werden. Allrounder bis 3.000 Euro sollten es sein, da scheint beim Durchschnittskunden in etwa die finanzielle Schallmauer zu liegen – keine Federungen, keine Motoren, keine mechanischen Bremsen.

Die fünfzehn Kandidaten, die zum professionellen Vergleich im Labor und auf der Testrunde angetreten sind, bilden die komplette Mittelklasse an Gravelbikes ab, die man derzeit kaufen kann. Außer teurem Titan und exotischem Holz sind alle Rahmenmaterialien vertreten, die Schaltungsmonopolisten von Shimano und SRAM steuern Gruppen in neun verschiedenen Varianten bei, und auch bei den Rahmengeometrien haben die Konstrukteure nicht alle die gleiche Blaupause benutzt. Die anfängliche Sorge, gut ein Dutzend fast baugleiche Räder bewerten zu müssen, hat sich zerstreut. Dennoch ist die Spreizung der Noten, besonders die aus den Mechaniklaboren, nicht so groß, dass man ein Modell über den Klee loben müsste oder ein anderes als unfahrbar abstrafen. Die Gesamtnoten liegen alle im Bereich von zwei Komma x. Absolute Traumwerte hat verständlicher Weise kein Kandidat erreicht, sonst wären Modelle von acht- oder zehntausend Euro völlig sinnlos. Erfreulich: Es gibt keinen Ausreißer nach unten. Gerade in einem experimentellen Stadium, in dem sich „Gravel“ noch bewegt, hätte das durchaus sein können. In den sicherheitsrelevanten Parametern wie Steifigkeit und Bremsen ist die schwächste Note überhaupt sogar eine Zwei, und alle Teilwertungen unterhalb „ausreichend“ beziehen sich auf das jeweilige Gewicht. Zur Ehrenrettung derer, die das betrifft: Die Skalen zur Benotung lassen Platz auch für Profiqualität, es lohnt sich immer, neben dem Zeugnis auch die tatsächlichen Werte und den Vergleich untereinander anzuschauen. Siehe auch die Tabelle Seite 60.

VON HÄNDEN UND POPOS

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