WENIG SCHOTTER, GROSSE FREUDE?

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Vergleichstest kleine Reiseenduros auf 19 Zoll

Erwachsenes Schnabeltier auf zwei Rädern gesucht, aber sowohl Geldbeutel als auch Fahrbahn sind eher schotterarm? Kein Problem, mit F 800 GS und V-Strom 800 liefern BMW und Suzuki taufrische, aber gehaltvolle Stelzenware für das moderate Abenteuer. Erstes Aufeinandertreffen auf 19 Zoll.

Neu und alt(bewährt): Die V-Strom trägt das aktuelle Suzuki-Antlitz mit Doppellinse, die GS noch den klassischen BMW-Karl-Dall-Blick

Nein, über die Beliebtheit von Reiseenduros zwischen Flensburg und Berchtesgaden muss an dieser Stelle nicht mehr zahlen- und bildreich geschrieben werden. Und auch die Tatsache, dass der Wunsch nach dem großen Abenteuer auf zwei Rädern oft größer ist als die meist eher nüchterne Realität zwischen Pendlerfahrt und Feierabendrunde, dürfte für die aufmerksamen Leser und Leserinnen längst keine Überraschung mehr sein. Kein Wunder also, dass straßenorientierte Stelzenware diesseits von 21 Zoll, unendlichen Federwegen, gigantischen Hubräumen und beeindruckenden Preisschildern ebenfalls viele Freunde findet und viel Freude spendet. BMW GS und Suzuki V-Strom in verkleinerter Portionsgröße sind dabei seit jeher schmackhafte Angebote und wurden jüngst runderneuert (F 800 GS) oder gar gänzlich neu aufgesetzt ( V-Strom 800). Welch günstiger Zufall, dass uns beide Alltags-Abenteurer bereits für ein erstes Stelldichein zur Verfügung stehen.

Naked Enduro aus München?

Die kleinere Portion nimmt man der BMW F 800 GS auf den ersten Blick und die erste Sitzprobe sofort ab. Nicht nur im Vergleich zu ihren größeren Geschwistern wirkt sie auffällig kompakt. Und auch die Ergonomie mit relativ schmalem Lenker, moderaten 825 Millimetern Sitzhöhe und den gar nicht so tiefen Fußrasten ruft eher das Wort Naked Bike als Reiseenduro auf den Plan. Vom zu heiß gewaschenen Windschild ganz zu schweigen. Da ändern auch die abenteuerlustig ausschauenden Handprotektoren nichts mehr dran. Die kleine GS ist und bleibt ein Motorrad, das vor allem kleineren Menschen gut passt. Bei 1,80 Meter und nicht vorhandener Ballerina-Figur fühlt man sich schon fast ein wenig deplatziert. So oder so sucht man das in diesem Genre beliebte, hoch oben thronende Allmachtsgefühl aber vergeblich.

Downsizing? Nicht mit BMW

Antriebsseitig hält man bei den Bayern jedoch nichts von verkleinerten Portionen. Schon der Vorgänger mit der 750 im Namen lieferte mehr als erwartet und auch die 800er-GS stapelt traditionsgemäß eher tief. Mit der neuesten Generation des Münchner Reihentwins macht sie jetzt ebenfalls fast die 900 Kubik voll und liefert auch auf unserem Prüfstand mehr als versprochen. Fast 93 PS und nur wenige Newtonmeter weniger lassen trotz der ebenfalls gar nicht so klein portionierten 235 Kilogramm ansprechende Läng