R-E-S-P-E-C-T!

8 min lesen

Mitleid bekommt man geschenkt. Neid muss man sich verdienen. Neid? In Bezug auf japanische Chopper und Cruiser ein womöglich etwas gewagter Begriff. Doch spätestens seit der großen Trude (VS 1400) gilt, was Aretha Franklin schon 1967 auf Englisch forderte: Respekt!

Autor: Klaus Herder und Kollegen klaus@motorradonline.de

Gebrauchtkauf – japanische Chrom-Rösser

HondaVT 1300 CX

Werbung verrät meist eine ganze Menge über den jeweiligen Zeitgeist. Aktuelle Werber (m/w/d) haben es da besonders schwer, denn sie müssen permanent und geflissentlich darauf achten, einigen Dauerbeleidigten und Berufsbetroffenen nicht auf den Schlips zu treten. Kaum eine Werbung kommt heute ohne PoC aus. Die Themen „Klima“ und „Nachhaltigkeit“ müssen natürlich auch untergebracht werden. Und wo früher die glückliche (und auch schon seinerzeit nur als Karikatur zu verstehende) Rama-Familie grüßte, geht heute unter einer bunten Patchwork-Community gar nichts.

Um es kurz zu machen: Aktuelle Werbung ist oft strunzlangweilig! Das sah vor 20, 25 Jahren noch ganz anders aus. Auch im Motorradbereich und besonders bei der vermeintlich obersten Instanz in Sachen Chopper- und Cruiser-Wahrheit: Harley-Davidson. Die Amis hatten Anfang der 1980er-Jahre zwar sehr viel mit sich selbst und der Qualität ihrer Produkte zu tun, doch 1981 (Management-Buy-out) und ab 1984 (Einführung Evolution-Motor) war das ausgestanden. Es wäre also Zeit gewesen, sich intensiver mit der aufkommenden Softchopper-Welle aus Fernost zu beschäftigen und die neuen Wettbewerber genauer im Auge zu behalten. Doch was machen die Amis? Nehmen die peinlichen, mit Tropfentank, Stufensitzbank und Buckhornlenker aufgemotzten Schlitzifeilen (das durfte man damals noch sagen) nicht ernst und verteilen lieber die eigene Originalware an ausgewählte Kunden.

Großer Fehler! Denn spätestens 1987 mit der Markteinführung der Suzuki VS 1400 Intruder hätte klar sein müssen, dass die Japaner auch ganz anders können. Nämlich hubraum- und drehmomentstark, mit authentischer Zylinder-Konfiguration, artgerecht ausgestattet, mit Fahrwerken, die zum Einsatzzweck passen. 1300, 1500 oder gar 1800 cm³ aus nur zwei Töpfen? Für die vier japanischen Motorradhersteller ab den 1990er-Jahren normales Tagesgeschäft. Und zwar „in zuverlässig“. Kawasaki treibt die Sache 2004 auf die Spitze: VN 2000 mit fetten 2053 cm³! In Milwaukee stellt man nun überrascht fest, dass Motorräder nicht nur verteilt, sondern auch verkauft werden müssen.

Womit wir wieder beim Anzeigenthema wä