„Der Laden ist mein SECHSER IM LOTTO“

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GENERATION WOW

Nach 30 Jahren in ihrem Job wagt Berit Harrendorf (52) den Weg in die Selbstständigkeit – und ist überglücklich

Begegnungen

MUTIGER SCHRITT Für Berit war klar, dass sie nicht in ihren alten Job zurückkehren konnte. Deshalb blieb ihr nichts anderes übrig, eine Lösung für ihre berufliche Zukunft zu suchen. Und sie fand eine!
FOTOS: HEIKO LASCHITZKI

Mit 50 alles hinter sich lassen – und beruflich noch mal ganz von vorn beginnen? Diese mutige Entscheidung traf Berit Harrendorf vergangenes Jahr – und hat sie nicht bereut. Im August 2022 eröffnete sie in ihrem Heimatort Wusterwitz einen Spiel- und Schreibwarenladen.

Im Tausendschön finden ihre Kunden „eine wilde Mischung“, wie sie selbst sagt. Von ätherischen Ölen bis zu Zeitschriften ist alles dabei. „Oft kommen Leute in den Laden und sagen: ,Bei Ihnen riecht es aber gut!‘“, erzählt die Unternehmerin. Sie freut sich, wenn sie Großmüttern bei der Suche nach einem Geschenk für die Enkelkinder behilflich sein kann. „Und wenn nichts Passendes dabei ist, ist es auch kein Weltuntergang.“ Diese Unbeschwertheit genießt Berit heute sehr. Denn lange war dieses Glücksgefühl verschwunden. 30 Jahre lang arbeitete Berit mit psychisch kranken Menschen, die letzten 16 Jahre als Leiterin einer Einrichtung mit rund 30 Mitarbeitern. „Ich habe meine Arbeit immer sehr gern gemacht, mit den Klienten und den Kollegen.“ Weil sie ihrem Beruf mit viel Herzblut nachging, absolvierte sie Fortbildungen und Führungskräfte-Seminare. „Das hat mich total interessiert, und es war mir wichtig, eine gute Vorgesetzte zu sein.“

Ihre Hausärztin schrieb Berit sechs Monate krank

Doch der zunehmende finanzielle Druck auf die Branche, das Arbeitspensum und schließlich die Erlebnisse und Schicksale, mit denen Berit tagtäglich konfrontiert war, zehrten mit den Jahren an ihren Kräften. Immer wieder ertappte sie sich dabei, wie sie über die Zukunft nachdachte und sich die Frage stellte: „Will ich diesen Job wirklich ein Leben lang machen?“

Die Corona-Pandemie brachte das Fass schließlich zum Überlaufen. An einem beliebigen Tag in der Woche wurde ihr auf der Heimfahrt im Auto klar, dass sie so nicht mehr weitermachen konnte, nicht mehr weitermachen wollte. Ihre Ärztin vermerkte auf dem Attest, was Berit längst wusste: Erschöpfungszustand. Sechs Wochen Krankschreibung folgten, in denen sich die Mutter einer zwölfjährigen Tochter Gedanken über ihre Zukunft machte. „Für mich war klar, dass ich nicht in meinen alten Job zurückkann.“ Mit der Entscheidung gingen auch viele Sorgen einher, wie es weitergehen würde. „Diese Ungewissheit war schrecklich für mich.“

Die Idee, den Laden im Dorf wieder zu eröffnen, deren Vorbesitzer einige Zeit zuvor in Rente gegangen waren, war anfangs nur ein Spaß für Berit. „Der

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