„Wir Frauen 50plus sollten sichtbar bleiben“

3 min lesen

GENERATION WOW

Mit Courage und Lebensfreude spielt Marion Kracht (61) ihre Rollen. Und ebenso lebt sie ihr Leben

Positiv aufs Leben blicken und stets nach vorne schauen – das ist das Motto von Schauspielerin Marion Kracht
FOTOS: MIRJAM KNICKRIEM / PHOTOSELECTION, NDR/BORIS LAEWEN, PR

Komisches liegt ihr. Wie sehr, kann jeder am 29. März in der Komödie „Zwei Erben sind einer zu viel“ (ARD, 20.15 Uhr) wieder erleben. Sie spielt eine lebenslustige Dorfärztin, immer auf der Suche nach einem prickelnden Flirt.

MEINS: Was hat Sie an dieser Rolle am meisten gereizt?

Marion Kracht: Es gibt diese Aktion „Let’s change the picture!“, bei der ich von Anfang an dabei bin. Es geht dabei um Sichtbarkeit von Frauen jenseits der 47 in den Medien. Frauen ab 50 sind im deutschen Fernsehen rar gesät. Und wenn sie vorkommen, dann als „Frau ohne Unterleib“. Sex haben diese Frauen in ihren Rollen dann nicht mehr. Ich fand die Rolle in „Zwei Erben sind einer zu viel“ toll, weil sie komödiantisch ist, was ich sehr liebe, und weil diese Frau Bock hat auf diesen Mann. Und zwar nicht verzweifelt auf die Art „Hoffentlich bekomme ich noch einen ab“, sondern selbstbewusst : „Da ist ja wieder einer, der gefällt mir.“

Wie haben Sie das Älterwerden als Frau erlebt?

Je älter ich wurde, umso mehr wurde mir bewusst, dass uns Frauen anerzogen worden ist, uns immer über außen zu definieren. Wie werde ich gesehen? Bin ich zu dick? Zu dünn? Bin ich faltig? Zu jung?

Zudem werden Frauen ab 50 in unserer Gesellschaft durchsichtig. Du bekommst keinen Blick mehr. Es ist, als ob man nicht mehr da wäre. Und in der Kombination dass wir gelernt haben uns über außen zu definieren, ist es doppelt schlimm, wenn man nicht mehr wahrgenommen wird. Wer ist man denn dann noch? Es ist ein ganz wichtiger Prozess, festzustellen: Hey, Moment mal, ich bin auch jemand ohne die Blicke der anderen.

Sie haben mal den Satz gesagt: Je älter ich werde, desto besser wird mein Leben. Inwiefern ist Ihr Leben besser geworden?

Ich glaube, je mehr Erfahrungen man hat, umso mehr kann man die Welt verstehen und die Reaktionen der anderen. Da kommt mir mein Beruf zugute, weil ich gelernt habe, mich in Menschen hineinzuversetzen. Und: Ich weiß auch immer mehr, was ich möchte und was ich nicht möchte.

Sie sind seit über 25 Jahren mit Ihrem Mann Berthold Manns (55) zusammen. Was ist Ihr Geheimnis für eine glückliche und stabile Ehe?

Ich habe kein Geheimrezept. Vielleicht ist es gerade gut, wenn man nicht jeden Tag von früh bis spät zusammen ist. Grundsätzlich ist das Zauberwort : Kommunikation. Jeder Mensch verändert sich im Laufe der Jahre. Und nur weil man verheiratet ist, heißt es ja nicht, dass man sich exakt in die gleiche