Was bedeuten uns FAMILIENTREFFEN?

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GENERATION WOW

Auch wenn nicht immer alles rundläuft, schweißen sie uns zusammen und schenken uns im besten Fall das Gefühl der Geborgenheit

Begegnungen

Familientreffen fanden gefühlt dauernd bei uns statt. Nicht nur zu Geburtstagen, Ostern oder Weihnachten kamen unsere Eltern, deren Eltern und Geschwister nebst Kindern zusammen. Auch zu Schulaufführungen z.B. reiste mindestens die Hälfte der Familie an. Wir haben Ausflüge gemacht oder ein Wochenende in den Bergen verbracht. Ein Riesenspaß!

Das war immer großer Trubel, denn sowohl meine Mutter als auch mein Vater hatten drei Geschwister. Ich habe es geliebt, wenn das Haus voll war. Noch schöner fand ich es, wenn wir die anderen besuchten, allen voran Tante Marie, die einen Pool hatte. Da haben wir Kinder den ganzen Tag geplanscht, und die Großen hatten ihre Ruhe.

Natürlich gab es auch kleine Streitereien, aber ich fühlte ich mich in diesem riesigen Familienkokon sehr geborgen. Ich hatte immer jemandem zum Reden, wenn ich Kummer oder Ärger hatte, den ich nicht mit meinen Eltern teilen wollte. Und die Treffen haben uns Cousinen und Cousins nachhaltig verbandelt. Wir sind uns bis heute nahe. Mein Bruder empfindet das nicht so, der hat sich frühzeitig ausgeklinkt. Und meine Tochter hat leider auch wenig Lust auf Verwandtschaft, seit sie die Kinderschuhe abgestreift hat.

Dieses Jahr feiern wir ein Sommerfest, wo sich alle noch mal sehen. Das hat sich Mama gewünscht, „solange wir noch da sind“, sagt sie.

Lasst uns mal wiedersehen

Familientreffen tun gut. Nicht nur weil wir Spaß haben und Feste feiern: Wir schaffen Erinnerungen, schreiben Familiengeschichte fort und gewinnen das schöne Gefühl, irgendwo hinzugehören. 

Obwohl wir nicht wenig Verwandtschaft hatten, war der Kontakt unserer Kleinfamilie auf unsere Großeltern reduziert. Der Rest traf sich höchstens auf Konfirmationen und Beerdigungen, denn das gehört sich ja so, dass man da hingeht. Wobei man sagen muss: Wir trafen die anderen nur bei solchen Anlässen, wie mir später klar wurde. Da habe ich auch herausgefunden, dass der Grund für diese Distanzierung ein nie beendeter Erbschaftsstreit war, wo es zugegebenermaßen um richtig Geld ging. Aber meine Eltern hatten es jetzt nicht unbedingt nötig.

Ich habe das als Kind lange für normal gehalten. Bis ich bei meinen beiden besten Freundinnen eine ganz andere Form des Familienlebens erlebte. Die hatten sehr oft Besuch, und alle waren sehr herzlich miteinander. Ja, es gab auch mal Kabbeleien oder sagen wir Punkte, wo man sich nicht einig war, aber man merkte, es lieben und schätzen sich alle. Und ich wurde immer miteinbezogen, auch wenn die Familie zum Minigolf oder an den Strand ging. Eine neue Welt!

Für mich war klar: Wenn ich mal eine Familie habe, mache ich