„Optimistisch muss man bleiben!“

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Gerda Kowalleks Familienleben

Im Leben lässt sich nicht alles planen. Manches geht schief. Gut, wenn man sich nicht vorher schon verrückt macht

Das Leben ist oft nicht fair. Wir wollen da noch nicht mal an die ganz großen Katastrophen denken. Krieg, Krankheit, Überschwemmungen – wie oft habe ich mir angesichts solchen Unglücks schon geschworen, mein Leben mehr zu genießen. Dankbar zu sein für den Augenblick, und dafür, dass es uns so gut geht. Aber dann muss nur drei Tage lang die Sonne nicht scheinen, der Vermieter eine unerhörte Heizkostenabrechnung schicken, Willi seine dreckigen Schuhe im Flur neben (!) die Fußmatte stellen und schon denke ich: Das kann doch alles nicht wahr sein! Wieso meint das Schicksal es nicht auch mal gut mit mir?

Geht’s noch??? Ich schäme mich hinterher immer sehr. Aber es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass er nicht unentwegt gut gelaunt und fröhlich sein kann. Ich bin es jedenfalls nicht.

Illustrationen: Jürgen Hellge, Holzach

Am meisten nervt es mich, wenn das Schicksal sich meinen Plänen widersetzt. Ich will einen Ausf lug machen, prompt fängt es an zu regnen. Ich möchte meine Freundinnen zu einem Kaffeeklatsch einladen, sofort liegt die Hälfte mit Grippe, Corona oder was weiß ich im Bett. Ich möchte verreisen, schon streiken die Lokführer oder Piloten. Bei schlechtem Wetter gibt sich mein Willi immer optimistisch. „Guck mal, da hinten, da wird es doch schon heller!“

Aber der Mann hat vorher nicht auf seine Wetter-App geguckt. Die nächste doofe Regenfront ist schon im Anmarsch. Mit Optimismus darf er mir in solchen Momenten nicht kommen. Das macht mich nur noch grummeliger.

Dabei, eigentlich hat er recht! „Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen“, hat John Lennon mal gesagt. Er hatte sicher noch viele Pläne, und dann wurde er eines