Darum scheiterte Googles AR-Brille

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Während Apple Anfang Juni seine Vision einer AR-Brille präsentierte, stellte Google sein „Glass“-Projekt jüngst ein. Wir beleuchten die wechselhafte Geschichte von Google Glass – und was Apple aus dem Scheitern lernen kann.

TEXT: THOMAS RAUKAMP

Eine zerbrechliche Angelegenheit: Eine Sichtfeld-Kamera sorgt für Foto- und Videoaufnahmen, ein Glasprisma projiziert Ausgaben in den Sichtbereich eines Brillenglases.

Erste Planungen für ein „Optical Head-Mounted Display“ (OHMD) begannen bei Google Anfang der 2010er-Jahre und mündeten 2011 in einem ersten Prototyp. Dieser war jedoch weit von jeglicher Serienreife entfernt – immerhin wog er nicht weniger als 3,6 Kilogramm, die wohl niemand auf der Nase tragen möchte. Dem experimentellen Charakter des „Google Project Glass“ gemäß entstammte die AR-Brille der „Google-X“-Sparte (heute schlicht „X“) unter Leitung des Firmen-Mitbegründers Sergey Brin, in der unter anderem auch die aktuellen KI-Grundlagen „Google Brain“ und „Deepmind“ sowie Googles Bemühungen um ein autonomes Fahren („Waymo“) ihren Ursprung fanden.

Im Jahr 2013 hatte die Entwicklung eine gewisse Marktreife entwickelt. So konnten die Google-Ingenieur:innen das Gewicht auf 57 Gramm senken – Google Glass wog damit weniger als eine typische Kassenbrille, die durchschnittlich auf 200 Gramm kommt. Und so lieferte Google im Frühjahr desselben Jahres die ersten Entwickler:innen-Modelle aus. Der Preis für die frühe „Explorer Edition“: 1.500 US-Dollar. Legten Interessent:innen nochmals 225 US-Dollar drauf, konnten sie Gestelle von namhaften Brillenherstellern wie Ray Ban und Oakley nutzen.

Im Mai 2014 startete der Verkauf für die Öffentlichkeit – wenn auch nur in limitierter Auflage und ausschließlich in den USA. Google betrachtete den eingeschränkten Marktstart als eine Art öffentliche Betaphase, um technische und soziale Aspekte der noch jungen Technologie bewerten zu können.

Verhaltene Reaktionen

Die Reaktionen fielen gemischt aus. Zeigten sich einige Expert:innen über die Möglichkeiten nahezu euphorisch, fiel die Bewertung in der Öffentlichkeit vielfach negativ aus. Soft- und Hardware erschienen nicht ausgereift, die Batterieleistung von gerade einmal vier Stunden pro Aufladung zu gering und der Preis für Konsument:innen zu hoch. Hinzu kam das futuristische, ungewohnte Aussehen der Datenbrille – in den USA entstand für Träger:innen gar der abwertende Begriff der „Glassholes“.

Das jedoch größte Problem war der Datenschutz: Anders als beim Smartphone können mit einer Smartglass praktisch jederzeit Foto- und Vi

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