… durch die eigenen Freunde dreist ausgenutzt zu werden?

3 min lesen

Anonym Gxeständnis

Wie fühlt es sich an ...

Heike* (35) kann nicht „Nein“ sagen. Doch finanzielle Dinge haben vielleicht wirklich nichts in einer Freundschaft zu suchen

Eigentlich müsste ich mich über mich selbst ärgern. Hätte ich damals vor sechs Monaten doch bloß nein gesagt, als Marlies sich die 700 Euro von mir leihen wollte. Aber ich kann einfach nichts abschlagen, weil ich Angst habe, dass man mich dann nicht mehr mag.

Das war schon in meiner Kindheit so. Auch als kleines Mädchen wollte ich es allen Recht machen, besonders meinem Vater. Er war sehr streng zu meiner Schwester und mir. Und wenn wir mal etwas gegen seinen Willen gemacht haben, hatte das immer unangenehme Folgen. Er war oft tagelang sauer auf uns, hat dann nicht mit uns geredet. Ich will niemanden vor den Kopf stoßen, ihn vergraulen. So war es auch vor ein paar Wochen mit meiner Freundin Petra. Sie wollte sich für einen Abend meine schöne Seidenbluse ausleihen. Ich ahnte schon, dass mein „Ja“ ein Fehler war. Ich hatte Angst, dass ich mein Lieblingsstück mit dicken Schweißoder Weinflecken zurückbekam. Denn ich wusste, dass Petra manchmal ziemlich achtlos mit Sachen umging – egal, ob es ihre eigenen waren oder geliehene. Aber meine Freundin sollte nicht denken, dass ich spießig bin, weil ich mein Eigentum bewachte wie ein Schießhund und nicht hergab.

Fotos: Getty Images

Als Petra mir die Bluse zurückgab, war dann auch tatsächlich ein Fleck drin. „Ich hab' sie schon in die Reinigung gegeben. Ging aber leider nicht ganz weg“, sagte sie leichthin. Aber selbst jetzt schwieg ich, obwohl ich wütend war. Auch mit Geld war es so: Wenn ich mir mal von einer Freundin oder Kollegin fünf oder zehn Euro lieh – was selten genug vorkam – beeilte ich mich, das Geld gleich wieder zurückzuzahlen. Ich blieb selten für länger etwas schuldig. Meine Freunde und Kollegen hatten es dagegen nicht so eilig, mir das Geld zurückzugeben.

Meiner Kollegin Brigitte habe ich mal 50 Euro geliehen, weil sie ihr Portemonnaie zu Hause vergessen hatte, aber unbedingt noch eine Besorgung machen musste.

Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass sie mir das Geld noch in der gleichen Woche zurückgibt. Und zwar ohne dass ich sie dazu auffordere. Aber sie schien es komplett vergessen zu haben. Ich sagte erst mal nichts. Ich wollte nicht kleinlich und knickerig erscheinen und sie nicht verärgern. Schließlich war mein Verhältnis zu meinen Kollegen immer gut.

Und das wollte ich nicht gefährden. Aber nach einer Woche reichte es mir dann doch. Es kostete mich zwar einige Überwindung, sie darauf anzusprechen. Aber es musste sein.

Schließlich waren 50 Euro eine Menge Geld. „Keine Angst, du kriegst dein Geld schon zurück

Dieser Artikel ist erschienen in...

Ähnliche Artikel

Ähnliche Artikel