Prolog

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Leseprobe | SNIPPETS Crime

Jussi Adler-Olsen: Verraten

LESE-PROBE

»Haben die uns schon wieder so einen Scheiß drangeklebt?« Vom Beifahrersitz aus stieß Anker die Tür auf und langte über die Windschutzscheibe. »In dem Winkel, in dem sie das angebracht haben, sieht man doch überhaupt nichts.«

»Man muss raten«, brummte Hardy von der Rückbank. Er sah zu dem Klebezettel, mit dem Anker wedelte.

»Okay, neue Variante«, fuhr er fort. »›Die drei Musketiere des Präsidiums.‹ Sind die Kollegen tatsächlich mal kreativ geworden?«

»Die sind bloß neidisch, Hardy, weil wir drei so gut zusammenarbeiten«, schaltete sich Carl ein. »Aber seht mal da drüben.« Er deutete zur anderen Straßenseite. »Die beiden Typen da. Der links, ist das nicht der Messerstecher, nach dem wir suchen?«

Hardy beugte sich zwischen den beiden nach vorn. »Nein, das ist sein Bruder. Aber der andere kommt dann sicher jeden Augenblick.«

»Wenn wir die drei Musketiere sind, dann bin ich aber nicht Aramis, dieses scheinheilige kleine Arschloch, auch wenn ich von uns dreien am kleinsten bin«, war Ankers trockener Kommentar.

Carl schüttelte den Kopf. »Warum denn nicht? Aramis war doch ein ziemlicher Charmeur.«

»Nein, das war der Große, der getrunken hat«, meinte Hardy. »Der bin dann wohl ich.«

Die auf den Vordersitzen feixten. Hardy und die Frauen, das war ein Fall für sich.

»Hört auf!«, stöhnte Hardy. »Immer dasselbe mit den Frauen! Da wird man noch wahnsinnig.«

»Wieso beklagst du dich eigentlich?«, fragte Anker. »Minna ist doch echt lecker.«

Carl sah auf die Straße und tat so, als hätte er nichts gehört. Nicht zum ersten Mal hatte Anker Carls Gedanken auf den Punkt gebracht. »Ja, das ist sie, und sie weiß es.«

Jetzt waren vom anderen Gehsteig Rufe zu hören, und Hardy öffnete das Fenster etwas. »Ich bin es leid, dass Minna mit allen und jedem flirtet, auch mit euch beiden.«

Anker drehte sich zu ihm um. »Ach, Hardy, du kleines Arschloch, ihr habt es doch gut. Nicht wie Elisabeth und ich. Ich habe das Gefühl, ich muss bald bei einem guten Freund auf die Couch ziehen.«

»Anker, du weißt, dass du bei mir zu Hause immer willkommen bist, oder?«, fragte Carl. »Oder bei uns«, ergänzte Hardy.

Anker winkte nach hinten zum Rücksitz und drückte Carls

Schulter. »Danke, Kumpels, für eure Gastfreundschaft.« »Ich glaube, der Typ ist jetzt auf dem Weg«, sagte Hardy. »Das da ist doch seine Dame. Oder hast du vielleicht noch nie eine Frau in Hosen gesehen?«, zog ihn Anker auf.

»Aber, Carl, sag mal«, fuhr Anker fort, »wie lange seid ihr, Vigga und du, eigentlich schon getrennt? Müsstet ihr euch nicht bald scheiden lassen?«

Carl unterdrückte ein Lachen. Vigga war das eigentümlichste Wesen der Welt. Kein Mann mit einem Hauch von Vernunft konn

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