Neuro-Yoga DOSSIER

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Sie ist eine der bekanntesten Yoga-Lehrerinnen und Autorin vieler Bücher. Und sie hat untersucht, wie positiv sich Asanas auf Körper und Geist auswirken. Anna Trökes zeigt anhand von internationalen Forschungsarbeiten, wie eine regelmäßige Yoga-Praxis Körper, Geist und Seele harmonisiert – und warum es sich in jedem Alter lohnt, damit zu beginnen

TEXT AUFGEZEICHNET VON CHRISTIANE SCHÖNEMANN FOTO ISTOCK ELENA RAY PR ILLUSTRATION MICHELE BANKS NIKE SCHENKL

Tiefe Zufriedenheit lässt uns grenzenloses Glück erfahren“, schrieb der indische Weise Patanjalis vor 1500 Jahren. Noch heute werden die Sutren des Weisheitslehrers überall auf der Welt gelehrt. „Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der Aktivitäten des Geistes“, erklärte der Vater des Yoga. In diesem Zustand öffnet sich uns ein Kraftfeld ungeahnter Möglichkeiten – wir erschließen unser innerstes Potenzial. Kommen an. Bei uns. Eine Reise zum Mittelpunkt des Selbst erfordert vor allem eines – Achtsamkeit. Sobald wir damit beginnen, unsere Gewahrsamkeit zu schulen, wird uns meist bewusst, in welchem Maße diese eigentlich ungeschult ist! Die intensive Beschäftigung mit Smartphones und Computerspielen gewöhnt das Gehirn daran, dass Aufmerksamkeit immer an einen Reiz gebunden ist. Da piept es, blinkt es, bewegt sich etwas schnell über den Bildschirm – und lockt so die Aufmerksamkeit. Bleiben diese Reize aus, empfindet ein in dieser Weise geprägtes Gehirn sehr schnell Langeweile und wird unruhig. Yoga kann uns wieder in einen mentalen Zustand führen, der gekennzeichnet ist durch Unmittelbarkeit und Klarheit sowie ein intuitives Verstehen, wer wir wirklich in unserem tiefsten Wesenskern sind.

WIE YOGA DAS GEHIRN VERÄNDERT

Jede Yoga-Übungspraxis hinterlässt Spuren im Nervensystem. Vermittelt durch unsere Aufmerksamkeit entsteht in uns ein Gewahrsein, bei dem wir uns bewusst in unserem Erleben beobachten, und zwar dergestalt, dass wir zu uns selbst etwas Abstand bewahren. Dadurch können wir uns beim Handeln, Spüren und Denken zuschauen. Dies erschafft in uns die Instanz eines inneren Beobachters. Und durch diesen verändert sich im Laufe der Zeit unsere Wahrnehmung.

Neurowissenschaftler sprechen hinsichtlich der Fähigkeit, unseren Mind immer wieder neu zu gestalten, vom plastischen Gehirn. Neue Ansätze in der Positiven Psychologie und der Psychotherapie sowie der ressourcen-orientierten Persönlichkeitsentwicklung beschäftigen sich seit Jahren verstärkt mit den Themen Achtsamkeit und Selbstwirksamkeit. Alle diese Methoden bemühen sich um integrative Ansätze, die uns ermächtigen sollen, für unse