Eine Handvoll Lehm...

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Feuer, Wasser, Tonerde, Luft, eingebettet in eine Zeitreise – daraus entstehen in den Natur-Workshops von Heinz Lackinger prähistorische Schalen und Gefäße. Zusammen mit vier Leser:innen besuchte unsere Autorin den Keramikkünstler im österreichischen Burgenland

TEXT FRIEDERIKE OSTERMEYER FOTO JAN RICKERS ASSISTENZ HANNA KOMPANIK STYLING INA ERDMANN HAARE MAKE UP DANIEL STRASSER SUSU BABOLLEH

Urzeitliches Töpfern ist, wenn du mit leeren Händen in die Natur gehst und mit einer fertigen Schale wieder zurückkommst“, sagt Heinz Lackinger. Es ist ein sonniger Morgen, als wir uns aufmachen. Zu sechst erklimmen wir den schmalen Pfad, der hinter seinem verwilderten Garten am Dorfende von Donnerskirchen auf eine Anhöhe führt. Olivia, Sascha, Birgit, Sina, Heinz Lackinger und ich – gemeinsam wollen wir in ein neues, altes Bewusstsein eintauchen. Eine Reise zurück in jene längst vergangene Zeit, wie sie einst die hier siedelnden Kelten vor über 3000 Jahren erlebten. Hallstattzeit wird ihre Epoche genannt, von der man nur wenig weiß, aber noch viel spüren kann. Und bis dort hin sind es nur wenige Schritte. Oben angekommen, sagt Lackinger: „Ab jetzt herrscht Urzeit.“ Damit meint er nicht nur, sich gedanklich mit ihr zu verbinden, sondern auch, genau hinzusehen. „Sie ist direkt vor euch. Die Natur hat sich seitdem kaum verändert.“ Wir stehen auf einem einsamen Waldweg und schauen uns um. Wild wuchert der Giersch, dazwischen blühen Heilpflanzen wie Schöllkraut, Witwenblume und Johanniskraut, auf denen sich Wildbienen und Schmetterlinge tummeln. Der Blick wandert über sanft geschwungene, dicht von hochstehenden Eichen und Buchen bewachsenen Hügel. Da ist kein Sendemast, Gebäude oder Stromkabel. Nichts, was daran erinnern könnte, in welchem Jahrhundert wir uns befinden. Alles ist so, wie es immer war.

Die Welt mit alten Augen sehen – damit beginnt eine Erfahrung, die wohl zu den grundlegendsten des Menschseins gehört: die direkte Begegnung mit den Elementen. Feuer, Erde, Wasser, Luft sind so zerstörerisch wie erschaffend, doch wer sie zu seinen Verbündeten macht, kann mit ihrer Hilfe etwas Neues in die Welt bringen, sagt Lackinger. Darum geht es beim urzeitlichen Töpfern. Was wir für unsere Schalen brauchen, findet sich in der Natur. Es bedarf keiner modernen Hilfsmittel, weder Glasur noch Brennofen. So sind wir bereit für den nächsten Schritt: die Suche nach der perfekten Tonerde. Und davon gibt es hier im Burgenland mehr als genug.

Gute Dinge entstehen aus Scherben

Ohne Heinz Lackinger wäre das Wissen über die prähistorische Töpferkunst vermutlich