„UND HÖRE NIEMALS AUF ZU TRÄUMEN!“ Alexandra David-Néel

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Was suchen wir im Leben? Und was finden wir in der Ferne? Alexandra David-Néel war fast die Hälfte ihres langen Lebens auf Reisen. Als erste Europäerin drang sie nach Lhasa, der heiligen Stadt Tibets, vor. Es war der Höhepunkt eines magischen Unterwegsseins

TEXT JUTTA JUNGE FOTO ALAMY ELENA RAY SHUTTERSTOCK CENTRE CULTUREL ALEXANDRA DAVID-NÉEL GETTY IMAGES FILMVERLEIH

Wie uns gemeldet wird, soll es einer Französin gelungen sein, Lhasa zu betreten, eine für Ausländer verbotene Stadt. Es handelt sich um Madame Alexandra David-Néel, die 1911 Frankreich verlassen hat …“ Als die Nachrichtenagentur Havas die Neuigkeit im Januar 1925 veröffentlicht, verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer in ganz Frankreich. Wer ist die Frau, die die unerhörte Reise in die Hauptstadt Tibets zu Fuß unternahm? Wer ist die verrückte Person, die aller Welt zeigen will, „was der Wille einer Frau vermag“? Man sagt, Mut kann berauschend sein. Gepaart mit der Sehnsucht nach Freiheit kann sich daraus eine immense Kraft entwickeln. Und manchmal zeigt sich schon in Kindertagen, dass die Füße eines Menschen ihn sehr weit tragen werden. Louise Eugénie Alexandrine Marie David – Rufname: Alexandra – kommt am 24. Oktober 1868 in Saint Mandé bei Paris auf die Welt. Ihr Vater, Louis David, ist Franzose und arbeitet als Journalist. Die Mutter, Alexandrine, ist holländisch-norwegisch-sibirischer Abstammung, eine strenggläubige Katholikin, die über ein nicht unerhebliches, ererbtes Vermögen verfügt. Man könnte sagen, die Verhältnisse sind wohlgeordnet. Ein glückliches Elternhaus ist es nicht. Alexandrine behandelt ihre Tochter mit Kühle und Strenge, und sie lässt keinen Zweifel daran, dass sie sich eigentlich einen Sohn gewünscht hatte. Als Alexandra drei ist, reißt sie erstmals von zu Hause aus. Woanders muss es besser sein als hier, denkt sie sich – und sehnt sich leidenschaftlich über die Grenzen ihres Alters hinaus. Später sagt sie, halb im Scherz, dass sie schon weglaufen konnte, noch bevor sie richtig zu gehen vermochte. Alexandra ist innerlich unabhängiger, als ein Kind ihres Alters es sein sollte. Sie sucht ihr Glück nicht bei ihren Eltern und findet es auch später nicht bei ihrem Ehemann. Ihr Leben lang wird sie sich als „ein Wanderer mit dem Wind“ empfinden. „Die wahren Freunde sind die Bäume, die Gräser, die Sonnenstrahlen, die Wolken, die in der Dämmerung oder im Morgengrauen am Himmel schweben, das Meer, die Berge.“ Wie sich zeigt, verfügt das kleine Mädchen über ein außergewöhnliches Mitgefühl: „Man tut den Gr