DER FLUG DER KRANICHE

3 min lesen

Zu Abertausenden ziehen sie jetzt über Deutschland auf dem Weg in ihre Winterquartiere – Kraniche gelten seit jeher als Glücksboten, als Symbol der Weisheit und des Lebens. Von der Magie eines wundersamen Wesens …„Wer einen Kranich sieht, hat Glück. Wer einen Kranich tanzen sieht, hat doppelt Glück!“ AUS SIBIRIEN

TEXT DOROTHEE TEVES FOTO SHUTTERSTOCK

Eine chinesische Sage erzählt von einem weisen Mann, der eines Tages auf den Schwingen eines Kranichs zur Erde reiste, um die Menschen zu prüfen. Als Bettler gekleidet, bat er um Nahrung und ein Bett für die Nacht, doch misstrauisch wiesen die Menschen ihn ab. Schließlich begegnete er einem alten Wirt namens Wang; dieser nahm ihn freundlich auf, und viele Wochen lang teilte er das Wenige, was er selbst besaß, mit seinem Gast, denn es machte ihn glücklich, einem anderen zu helfen. Eines Morgens aber war der Fremde fort. Er hatte keine Nachricht hinterlassen, wohl aber eine wundersame Zeichnung an der Wand der Gaststube. Kraniche waren darauf zu sehen – goldene Kraniche, die von diesem Tag an immer dann aus der Wand heraustraten und voller Glück tanzten, wenn Wang seine Gäste bewirtete …

Geboren für die Ewigkeit

Kraniche gelten seit jeher als Vögel des Glücks, als Himmelsboten, als Symbol all dessen, was das Leben an Gutem bereithält. In der griechischen Mythologie waren sie gleich drei Göttern zugeordnet: dem Sonnengott Apollon, der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter und dem Frühlingsboten Hermes. Es heißt, Priester lasen aus den Flugformationen der Vögel, und den alten Mythen zufolge brachten sie sowohl dem keltischen Gott Ogma, als auch dem ägyptischen Gott Thoth das Geheimnis der Schrift. Kraniche sollen die Seelen der Verstorbenen in den Himmel geleitet haben; sie stehen für Treue, Wahrhaftigkeit, Weisheit und den immerwährenden Kreislauf des Lebens. Was also mag der Zauber sein, der diesen Vögeln innewohnt; diesen Vögeln, die sich auf den ersten Blick kaum von einem herkömmlichen Reiher unterscheiden – und der die Menschen doch seit Jahrtausenden so tief berührt …?

Tatsächlich glaubten die Völker einst, Kraniche würden 1000 Jahre leben und jedes Jahr an die immer gleichen Brutstätten zurückkehren. Ihre Weisheit, so waren sich die Menschen sicher, müsse damit umfassender sein als die aller anderen Wesen auf Erden, kannten sie doch die Geheimnisse der Ewigkeit. Erst sehr viel später erkannten Forscher: Kraniche werden zwar in der Tat recht alt – doch selbst in Gefangenschaft selten älter als 40 Jahre. Der Mythos über ihr ewiges Leben beruht auf einer simplen Verwechslung: „Kraniche hab