Eine Frohnatur, die Trost spendet

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Sterben ist schwer, häufig mit Angst und Verzweiflung verbunden. Anja Lorenzen (56) versucht, es Betroffenen und Angehörigen leichter zu machen. Sie ist Hospizbegleiterin

Text: Jill Benck

Frauen mit Herz

Anja Lorenzen geht gern im Lister Urwald spazieren. Hier tankt sie neue Energie für ihren Beruf und ihr Ehrenamt
FOTOS: JILL BENCK

Anja Lorenzen lacht gern und viel, sie sei eine Frohnatur, sagt sie von sich selbst, und zwar durch und durch. Vielleicht ist es das, was Sterbenden und Trauernden Trost und Kraft schenkt und Licht in ihre dunkelsten Tage bringt. In ihrem Ehrenamt als Hospizbegleiterin hilft sie todkranken Menschen und deren Angehörigen, das Unausweichliche zu akzeptieren, und steht ihnen während der letzten Wochen und Monate bei.

Anja schafft es, bei den Sterbenden die schönsten Erinnerungen hervorzulocken, sie zum Erzählen zu bewegen, ihnen so die schwere Zeit zu erleichtern. Hauptberuflich arbeitet die Sylterin beim Bestatter und schreibt Trauerreden, privat schreibt sie gerne Gedichte. Trauer und Tod sind tägliche Themen in Anjas Leben. Im Interview mit bella erzählt sie, was diese Arbeit ausmacht und warum sie so schön und bereichernd ist.

Wie wurden Sie Hospizbegleiterin?

Ich wollte etwas Ehrenamtliches machen. Hospizbegleitung hat mich schon lange interessiert – mein Leben lang begleite ich ältere Leute aus meinem Umfeld. Auch in meinem Beruf beim Bestatter habe ich viel mit trauernden Menschen zu tun. In der Zeitung wurde ein Hospizbegleiter-Kurs vorgestellt. Ich bin dann zu einem Kennenlernabend gegangen. Es wurde erklärt, welche Aufgaben auf uns zukommen, und ich dachte: Ist das was für mich? Kann ich das emotional? Aber ich wollte etwas Gutes tun und habe 2017 meine Ausbildung zur Hospizbegleiterin abgeschlossen. Seitdem arbeite ich ehrenamtlich für den Sylter Hospizverein.

Was sind übliche Aufgaben in diesem Ehrenamt?

Nachdem eine schwere Diagnose gestellt wurde, wird der Hospizverein auf Wunsch benachrichtigt, und ich mache einen Termin mit der Familie aus. Meist trifft man sich ein-, zweimal die Woche dort, wo sich die Betroffenen wohlfühlen. Zu Hause oder bei einem Spaziergang. Die Betreuung ist dann individuell, die Dauer genauso. Es gibt auch Situationen, in denen wir eine Sitzwache machen. So sind Menschen, die nicht ansprechbar sind, nicht allein. Dann ist man einfach da, hält die Hand oder spricht mit ihnen. Wir vom Hospizverein treffen uns alle vier Wochen.

Wie kann ich mir die Sterbebegleitung eigentlic

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