Endlich habe ich meinen Vater gefunden!

2 min lesen

Als sie von ihrer Herkunft erfuhr, suchte Britta Waizmann (34) nach Geschwistern – und fand so viel mehr …

Text: Christine Bollhorn

Britta (34) ist ein Spenderkind

Britta und ihr leiblicher Vater Dietrich – beide wohnen in München
FOTOS: MATTHIAS BALK

Es war Freitag, der 13. Juni 2008, als sich das Leben von Britta Waizmann für immer veränderte. Sie war 19, kam von der Arbeit nach Hause. Die Mutter wartete schon auf sie und bat um ein Gespräch. Sie setzten sich, und nach einem Herzschlag Stille sagte ihre Mutter: „Britta, ich muss dir etwas gestehen: Dein Vater ist ein Samenspender.“

„Es war ein Schock, aber irgendwie auch eine Erleichterung“, sagt Britta Waizmann, heute 34, über den Moment der Wahrheit. Der Mann, mit dem sie die ersten Lebensjahre aufwuchs, hatte die Familie verlassen, als sie vier war. „Und schon immer hatte ich das Gefühl gehabt, dass da etwas nicht passte. Ich hatte keinen richtigen Bezug zu ihm. Als meine Mutter mir dann beichtete, dass dieser Mann gar nicht mein Vater sei, löste sich in mir ein Knoten, viele Unstimmigkeiten verschwanden.“

Sie fühlte sich haltlos und unvollständig

Nach anfänglicher Erleichterung fiel Britta in ein emotionales Loch. „Ich hatte eine Identitätskrise“, so die Münchnerin, die damals in der Messe-Promotion gearbeitet hat. „Ich fühlte mich unvollständig, haltlos und schwach. War ohne Energie und Freude am Leben.“

Das änderte sich 2019, als Britta in einem Artikel über den Verein Spenderkinder von der Möglichkeit erfuhr, per DNA-Test Halbgeschwister und den genetischen Elternteil zu finden. Es sind spezielle DNA-Tests von Firmen mit Sitz in Amerika oder Israel, z. B. MyHeritage und Ancestry, die sich der Ahnenforschung widmen. Britta bestellte ein Test-Kit. Schließlich haben Spenderkinder – wie alle Menschen – ein Recht auf Kenntnis ihrer Abstammung. Darauf wies die Bundesärztekammer bereits 1970 in Zusammenhang mit einer Samenvermittlung hin. Der Bundesgerichtshof hat dies 2015 bestätigt, somit waren anonyme Zeugungen auch nie gestattet.

Der DNA-Test ergab einen Treffer. Ein Mann namens Dietrich (56) schickte ihr am 18. Mai 2019 eine E-Mail. Ihr Spendervater. Weil er sich für seine Spenderkinder öffnen wollte, hatte er sich ebenfalls bei der Datenbank registrieren lassen und wurde über den Treffer informiert. „Mein Freund stand hinter mir, als ich die E-Mail öffnete, mit den Händen auf meinen Schultern. Ich hatte Angst, sie zu lesen, und war gleichzeitig so aufgeregt wie nie zuvor“, erinnert sie sich. Es waren wa

Dieser Artikel ist erschienen in...

Ähnliche Artikel

Ähnliche Artikel