„Ich helfe anderen trauern und heile mich selbst mit!“

3 min lesen

Mitten im Leben

Ihr Sohn starb mit 7 Jahren an einem Hirntumor

Weil sie sich so allein gelassen fühlte, wurde Kirsten selbst zur Trauerbegleiterin

Lichter im Dunkel: Ihre Töchter Alea (4) und Jana (2) bringen die Sonne in Kirstens Leben zurück
Fotos: Jonas Ratermann

Es gibt sie immer noch, die Momente, in denen ich vor Trauer und Schmerz zu zerspringen glaube, aber sie werden weniger“, erzählt Kirsten Halbwax mit leiser Stimme.

Sie hat das Schlimmste erlebt, was einer Mutter passieren kann: Sie hat ihren Sohn verloren. Max war siebeneinhalb Jahre jung, als er den Kampf gegen einen Hirntumor verloren hat. Am 6.

August 2021 ist er gestorben.

„In der Schule hat er sich mehrfach übergeben“

Es war kurz nach der Einschulung. „Der Lehrer rief mich an. Ich sollte Max abholen, er hätte sich übergeben. Ich dachte mir nichts dabei. Vielleicht war es die Aufregung der ersten Tage. Ihm ging es zuhause dann auch w ieder gut“, erzählt die 43-Jährige. Doch eine Woche später geschah es w ieder. „Als ich Max von der Schule abholte, sagte er zu mir: ,Mama, ich sehe deinen Kopf doppelt‘“, erinnert sich Kirsten. „Ich hatte sofort das Gefühl, da stimmt etwas nicht und fuhr mit ihm in die Uniklinik.“

Dort bestätigten sich die schlimmsten Befürchtungen. In Max’ Gehirn befand sich ein Tumor, der sofort operiert werden musste. Es handelte sich um einen sehr seltenen, aggressiv wachsenden Tumor, der vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern zumeist in den ersten zwei Lebensjahren auftritt – nicht heilbar.

„Ich hoffe bis zuletzt auf ein Wunder”

„Als mir klar w urde, dass Max sterben w ürde, brach meine Welt zusammen. Doch solange er lebte, wollte ich um ihn kämpfen, für ihn da sein und seine Lebensqualität so weit wie möglich erhalten. Bis zu seinem letzten Atemzug hoffte ich auf ein Wunder“, erzählt Kirsten.

Trost und Unterstützung fand sie bei ihrem Ehemann Carsten (46), mit dem sie damals seit fünfeinhalb Jahren verheiratet ist. „Er war zwar nicht sein leiblicher Vater – doch für Max war er sein Papa”, sagt sie. Er war es auch, der ihr zur Seite stand während der Operationen, Krankenhausaufenthalte und Chemot herapien.

Und dann blieb genau in dieser finsteren Zeit ihre Regelblutung aus. „Bei einem Besuch bei Max kaufte ich in der Krankenhausapotheke einen Schwangerschaftstest – er war positiv. Ich kaufte gleich noch einen – dasselbe Ergebnis. Ich war verz weifelt! Es durfte doch nicht sein, dass mein Kind im Sterben lag und ich schwanger war. Das kam mir unerhört und ungerecht vor. Ein Verrat an Max“, schildert Kirsten ihre schlimmen Gew issensbisse.

Erst ein Gespräch mit dem Pfarrer von der Uniklinik brachte Linderung. „Ihm schüttete ich mein Herz aus. Er sagte zu mir: ,Stellen Sie sich vor, dass Max Ihnen einen E

Dieser Artikel ist erschienen in...

Ähnliche Artikel

Ähnliche Artikel