„Erst eine Operation stoppte meine Esssucht“

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Jana hatte keine Kontrolle mehr, was und wie viel sie aß. Die Folgen für ihren Körper und ihre Seele waren dramatisch. Ihr letzter Ausweg: eine Magenverkleinerung

Interview: Stephanie Arndt

70 KILO

Vervollständige den Satz: „Essen war für mich …“

Eine unkontrollierbare Sucht. Sie bestimmte mein Leben und ich fühlte mich wie eine Gefangene im eigenen Körper. Ende 2021 wog ich bei einer Größe von 1,70 Metern 132 kg und passte nur noch in Kleidergröße 54. Ich fühlte mich körperlich und psychisch sehr schlecht.

Wie ist es dazu gekommen?

Warum ich esssüchtig geworden bin, weiß ich nicht. Ich war immer molliger als alle anderen und machte schon mit 10 Jahren das erste Mal eine Diät. Ab da probierte ich alles aus: Weight Watchers, Intervallfasten, Kartoffel- und Kohl-Diät, Low Carb – immer ohne Erfolg. Jedes Scheitern führte zu erneutem Frust- oder Trostessen – ein echter Teufelskreis.

Wie ging es weiter?

Mit der Einnahme der Pille stieg mein Gewicht noch mehr an. Ab da habe ich gefühlt ständig gegessen und konnte nicht aufhören. Ich litt unter Heißhunger-Attacken und bei jedem Essen aß ich, bis mir schlecht wurde. Ich kannte einfach kein Maß mehr.

Du hast dich dann für eine so genannte bariatrische, also gewichtsreduzierende, Operation entschieden.

Ja. Ich wusste, dass ich es nicht alleine schaffen werde. Im Gegensatz zu anderen Süchten, etwa dem Rauchen, kann man Nahrung nicht einfach weglassen. Essen muss man nun mal.

Und dann?

Es ist tatsächlich sehr aufwendig, eine solche OP bewilligt zu bekommen. Ich musste nachweisen, dass ich selbst alles versucht habe, um abzunehmen und wurde von verschiedenen Ärzten untersucht. Es wurden auch psychologische Gutachten angefertigt. Zudem musste ich an einem 6-monatigen multimodalen Konzept teilnehmen. Dahinter verbirgt sich ein Programm aus Ernährungsberatung, Bewegungs- und Verhaltenstherapie. Nur so übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Im Februar 2022 wurde bei mir dann die ersehnte Magenbypass-Operation durchgeführt.

Was passiert da genau?

Der Magen wird nahe an seinem Eingang abgetrennt, sodass ein neuer, sehr kleiner Magen entsteht. Gleichzeitig werden Teile des Dünndarms abgetrennt und mit dem Mini-Magen verbunden. Der Zwölffingerdarm wird komplett ausgeschaltet. Der Sinn dahinter ist, dass die kleine Magentasche schnell voll ist und man nur noch sehr wenig essen kann.

Wie viel kannst du heute noch essen?

Im Schnit

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