„Status-Upgrade“

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ZÜNDFUNKE

Die Frage, wie viel Leistung man braucht, ist fast so alt wie das Motorradfahren an sich. Neuerdings streut die Antwort nach oben. Warum?

Unlängst hatte ich das Vergnügen, an der Präsentation der neuen Triumph Daytona 660 teilzunehmen. Am Ende eines Fahrtages im Hinterland der Costa Brava standen Erkenntnisse. Erstens: Motorradfahren bleibt das Größte. Zweitens: „Alltagssportler“ klingt doof, das Konzept dahinter kann einiges. Drittens: 95 sauber aufgezäumte Pferde auf rund 200 Kilo sind, wenn man sie alle benutzt, reichlich Leistung für das sportive Solo ohne Gepäck. Jedenfalls solange ein amtliches Kennzeichen im Spiel ist. Mehr braucht keiner.

Nichts Neues also. Genau wie die Tatsache, dass Motorräder am oberen Ende der Nahrungskette völlig ungeachtet meiner nachgerade transzendentalen Einsichten nicht damit aufhören, stärker zu werden. Schon vor fünfzehn Jahren konnten Bedenkenträger angesichts des wachsenden Clubs zulassungsfähiger 200-PS-Superbikes schön mit dem Zeigefinger winken. Doch für das mittlerweile gegen 220 PS tendierende Superbike und dessen artgerechten Auslauf gibt es Rennstrecken, wo talentiertes Personal reichlich Leistung in schnelle Runden ummünzt. Mit Wohlwollen ließ sich die Trackday-Eignung auch noch für die von „Power-“ zu „Hyper-“ mutierten Naked Bikes à la Ducati Streetfighter V4 oder BMW M 1000 R anführen. Doch wenn wir ehrlich sind, läuft schon dieses Argument ins Leere. Ohne Lenkerstummel, Gewicht auf dem Vorderrad und Windschutz bist du auf den Start-Ziel-Geraden dieser Erde beim Versuch, 200 PS zu benutzen, mitten im heillosen Chaos. Die Ingenieure bei BMW wussten bei der S, dass 165 PS mehr als reichen. Hypernakeds sind wie Bagger Racing: sinnlos, aber geil.

Johannes Müller fährt gern zügig auf der Landstraße, das geht bestens mit gar nicht so viel Leistung. Freut sich auf Zu- und Widerspruch, gern auch von M-XR-Fahrern: jo@motorpresse.de
Foto: Jörg Künstle
Wohin mit den ganzen Pferden auf der Landstraße? Nur die Physik ist noch unerbittlicher als die Rennleitung

Genau mein Humor daher, dass nun ausgerechnet noch die Crossover dem Trend zu brachialer Power folgen. Natürlich lag es auf der Hand, die hochgelegten Boliden nicht mehr domestiziert, sondern abgerichtet von der Leine zu lassen, erst recht, wo neuerdings das „M“ im Spiel ist. Stellt sich die Frage: Was anfangen mit dem ganzen großen Stall