JAPANISCHES DÉJÀ-VU

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Hochdrehende 400er bereicherten erst die Tourist Trophy und dann Japan als ernst zu nehmende Sportler. Doch hubraumstärkere Racebikes schoben sie aufs Abstellgleis. Bis jetzt. Kawasaki zaubert die ZX-4RR aus dem Hut, die mit einer über 30-jährigen ZXR 400 in Erinnerungen schwelgt.

Autor: Jens Möller-Töllner moetoe@motorradonline.deFotos: Arturo Rivas, Tyson Jopson

Kawasaki ZXR 400 Kawasaki ZX-4RR

Als die ZXR 400 ihr Familienbuch aufschlägt und mit ihrem großen Scheinwerfer die Seiten ausleuchtet, zuckt der Motor der neuen ZX-4RR staunend kurz zusammen, fällt für einen Moment aus dem stabilen Leerlaufrhythmus heraus. „Wow, was für eine Historie!“, klänge es wohl aus der Airbox der 2024er-Kawasaki, wenn sie denn außer markig ansaugen auch sprechen könnte. Daher fliegt der Blick jetzt zurück, zu einem Stopp ins Jahrs 1989, der offiziellen Geburtsstunde der ZXR 400. Die bauten sie in Akashi für fordernde Einsätze in japanischen 400er-Rennklassen. Bis 1981 kämpften 400er-Racer zuvor sogar noch bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man um die F3-WM-Krone. Geboren aus einer heißen Rennsport-Klasse, serviert fürs allgemeine Motorrad fahrende Volk, mit diesen Worten ließe sich die weitere Geschichte der ZXR 400 beschreiben. Ab 1991 vertrieb Kawasaki sie in Deutschland, das Modell, das hier so gekonnt ins eigene Erinnerungsbuch blickt, stammt von 1993. Ihre flotte Dekorbeklebung franst an den Kanten aus, vorher gab’s gerade Linien.

Und die ZX-4RR? Die steht immer noch stumm auf ihrem Seitenständer und ringt nach Worten. Über 30 Jahre nach ihrer Vorgängerin fallen die Fußstapfen reichlich groß aus, die ihr die ZXR 400 hinterlassen hat. Was mit daran liegt, dass die 2024er-Neuheit erst noch zeigen muss, was sie auf der Piste draufhat. Ein offizieller Cup von Kawasaki steht für die Saison 2024 schon in den Startlöchern (www.kawasaki.de/de/racing/local). 1994 musste noch die ZXR 400 ran. Der Kreis schließt sich. Doch was hat sich in dieser langen Zeit eigentlich getan? Spurensuche.

Weil die ZX-4RR schon neuzeitlich leise vor sich hinpöttelt, weckt der Zündschlüssel nun ebenfalls die ZXR 400 auf. Einfach so den Startknopf drücken und loshuschen – Pustekuchen. Reise in die Vergangenheit: Damit die vier 32er-Vergaser überhaupt Sprit erhalten, sollte der Pfeil auf dem Benzinhahn auf die Markierung „On“ zeigen und der Choke am linken Lenkerstummel den eingehängten Bowdenzug stramm ziehen. Dann den Daumen zart auf den Starter legen und mit Gefühl und leichter Gasgriffunterstützung dem 398