Immer mit der Ruhe

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Wem bei Telefonwarteschleifen und Verkehrsstaus sofort der Hut hochgeht, der fühlt sich viel schneller gestresst. Doch Geduld lässt sich spielend leicht lernen. So kannst du den Spieß umdrehen

Text: LINDA HILD

GESUNDHEIT

Foto: JEAN-CHRISTOPHE RIOU/GETTYIMAGES

Wir sind es heutzutage gewohnt, alles sofort oder wenigstens ohne allzu lange Wartezeit zu bekommen. Etwa die neue Staffel unserer Lieblingsserie, das Buch, das gerade neu erschienen ist, oder die Sneakers, die wir per Expressversand geordert haben. Alles ist innerhalb von kürzester Zeit heruntergeladen, gestreamt oder bestellt. Klingt nach Komfort und irgendwie sinnvoll, wenn man bedenkt, dass dem Menschen seit jeher suggeriert wird, Zeit sei Geld. Warten ist heute ähnlich verpönt wie faul sein. Leerlauf soll im besten Fall immer gefüllt werden, damit wir bloß keine Zeit verplempern. Dank aktuellster Technik und entsprechender Anwendungen sind Wartezeiten quasi abgeschafft worden. Ob im Zug, im Wartezimmer beim Arzt oder während der Autofahrt – du kannst unterwegs Sprachen lernen und Podcasts hören, stundenlang durch irgendwelche Timelines scrollen und dich dem Gefühl hingeben, pausenlos beschäftigt zu sein.

Wartezeiten sind kleine Verschnaufpausen

Was auf den ersten Blick so ausschaut, als sei die Langeweile durch Effizienz ersetzt worden, ist bei näherem Hinsehen nicht unbedingt von Vorteil. In einer Welt, in der es permanent um Ablenkung geht, in der du den Standort des Paketboten live checken und Sprachnachrichten in doppeltem Tempo abspielen kannst, wundert es nicht, dass viele das Warten verlernt haben. Wir haben das Gefühl, warten sei anstrengend. Dabei ist es in Wahrheit oft die Fülle der Dinge, mit denen wir heute Wartezeiten auszufüllen versuchen, die uns schlaucht. Wer sich ständig in all den Optionen verzettelt, die man stattdessen wahrnehmen könnte, während man an der Supermarktkasse darauf wartet, dass der Vordermann seine Einkäufe endlich verstaut, gerät in eine Daueranspannung. Dabei sind Wartezeiten im Alltag oft nicht weniger als kurze Verschnaufpausen, nach denen sich die meisten eigentlich sehnen.

Wer ausharren kann, hat viele Vorteile im Leben

Kurz gesagt: Geduldig warten zu können ist wichtig und tut Körper und Seele gut. Jedenfalls wenn man den vielen Studienergebnissen Glauben schenkt, die in den letzten Jahrzehnten hierzu veröffentlicht worden sind. Die vermutlich bekannteste Studie zu dem Thema ist das so genannte Marshmallow-Experiment des US-Psychologen Walter Mischel, in dessen Rahmen die allgemeine Fähigkeit zur Selbstkontrolle bei Vierjährigen untersucht wurde. Man bot den Kindern ein

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