WER IST WER?

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Henri Faber

SNIPPETS Crime

Ein Serienmörder. Ein Ermittler. Die Frage, die sich stellt ist: Wer ist wer? Thriller-Autor Henri Faber sorgt für Antworten

Foto: Gunter Glücklich

„Gestehe“ ist Ihr mittlerweile dritter Thriller, die Vorgänger Ausweglos und Kaltherz wurden von der Kritik begeistert aufgenommen. Was hat Sie diesmal zum Plot Ihres Buches inspiriert?

Ausgangspunkt war die Figur des Kommissars Jacket, der in meinem Buch der Hauptprotagonist ist. Meine Tante erzählte mir einmal vor Jahren von einem Vertreter, der zu ihr gekommen war. Sie sagte damals, dieser Mann habe ein typisches Jacket-Kronen-Lächeln gehabt, mit anderen Worten: ein Hollywood-Lächeln. Der von ihr verwendete Ausdruck sagte mir damals gar nichts. Ich dachte mir aber gleich, dass „Jacket“ ein perfekter Name für einen Kommissar wäre, und schrieb diesen Gedanken auch auf. Über die Jahre wurden die Notizen zu besagtem Kommissar Jacket immer umfangreicher. Ich fragte mich, welchen Charakter er hat, wie er aussieht. So ist das zumeist bei meinen Büchern: Aus irgendeiner unspektakulären Notiz entwickelt sich irgendwann ein Universum, das dann die Basis eines neuen Buches wird.

In welche Richtung hat sich Ihr Kommissar im Laufe dieser Jahre entwickelt? Was macht ihn aus?

Jacket ist ein Wiener durch und durch, er ist ein Aufschneider, er ist affektiert und sehr um sein Aussehen bemüht, ein verwöhnter Hedonist, der mit altem Geld gesegnet ist. Als Polizist ist er eigentlich im falschen Beruf gefangen: Er ist dort irgendwann gelandet und eben dabei geblieben. In Wirklichkeit ist er ein Adabei, wie er leibt und lebt, er treibt sich dementsprechend gerne in der Wiener Schickeria herum. Jacket ist wie geschaffen für die Seitenblicke-Gesellschaft.

Zu deren Teil wird er auch, als einer seiner Fälle nationales Aufsehen erregt, was gleichzeitig den Auftakt zu einer neuen MordReihe bietet, in die er unvermittelt hineingezogen wird.

Durch diesen vergangenen spektakulären Fall bekommt er die Möglichkeit, sein affektiertes Naturell vollends auszuleben. Er avanciert vor allem auch durch ein Buch zum Star, in dem sein Fall aufgearbeitet wird.

Als es zum ersten Mordfall kommt und Jacket zum Tatort gerufen wird, erinnert ihn die Szenerie eklatant an einen Mordfall in seinem neuen Buch. Bei seinen Ermittlungen unterstützt ihn der junge Polizist Mohammad „Mo“ Moghaddam, der davon aber gar nicht begeistert ist und sich nun eher als „Adjutant eines Clowns“ fühlt.

Mo ist als Gegensatzpol zu Jacket entworfen. Während Letzterer in die oberen Zehntausend hineingeboren wurde, musste sich Mo alles hart erkämpfen. Seine Geschichte ist stark durch seinen Migrationshintergrund geprägt. Als er zur Abteilung Leib und Leben kommt, ist er als Nicht-Weißer selbstverständlich der Außenseiter, den anderen fällt es schon schwer,

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