Vom Zauber der Berge SÜDTIROL

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Tami von Seyr (38) ist in Südtirol aufgewachsen, umgeben von Bergen, Wäldern und Almen. So wurde die Natur zu ihrem Lebenssinn – und Tami eine gefragte Kräuter-Expertin. Hier verrät sie, wo der Winter besonders magisch ist: eine Reise ins Pustertal

TEXT AUFGEZEICHNET VON SYLVIA NAUSE-MEIER FOTO HERBERT PRAMSTALLER ©2023 SILBERSALZ GETTY IMAGES FRANCO COGOLI/HUBER IMAGES SHUTTERSTOCKPLAINPICTURE THOMAS RÖTTING/LAIF

WINTER IN DEN DOLOMITEN

Meine erste große Liebe funkelte wie tausend Sterne: Schnee! Sehnsüchtig habe ich ihn erwartet; ihn angehimmelt, wenn er endlich da war. Schnee verhieß Vergnügen, Lachen, Toben. Wir rodelten tagelang, bis es dunkel wurde. Oder fuhren Ski: Gleich hinter unserem Haus lag ein großes Feld. Dort haben wir uns eine kleine Piste gebaut. Die Abfahrt dauerte fünf Sekunden – für uns der längste Spaß der Welt. Mit roten Wangen sausten wir wieder und wieder hinab. Wohin wir guckten: Meterhoch lag der Schnee. Ließ sich vom Wind verwehen und steckte die Tannen in weiße Skianzüge. Die Bauernhäuser trugen dicke, weiße Hauben. Und die Dolomitengipfel, sie sahen in der Sonne ganz golden aus. In den Rauhnächten hat Oma immer geräuchert: mit Meisterwurz. Jeder bekam einen Filzhut, der über die Rauchwölkchen gehalten und dann aufgesetzt wurde. Damit wir beschützt ins nächste Jahr gehen. Winter im Pustertal – als Kind gab es für mich nichts Schöneres. Heute? Baue ich weniger Schneemänner und keine Ski-Pisten mehr, doch diesen Zauber spüre ich noch immer. Es ist vor allem die besondere Stille, die ich wahrnehme, wenn der Schnee alle Geräusche versteckt. Diese Ruhe – draußen und drinnen. In mir. Winter heißt für mich Innehalten, Rasten. Das habe ich mir bei der Natur abgeschaut, meiner weisen Wegbegleiterin.

Das Unscheinbare entdecken

Ich lebe in Oberrasen, einem kleinen Dorf auf 1200 Metern Höhe, inmitten der Berge. Näher kann Natur nicht sein. In unserer Hausapotheke gab es Arnika-Schnaps und Johanniskraut-Öl, das stellten wir selbst her. Im Garten wuchsen Melisse und Minze für den Tee. Das ist in Südtirol Tradition, damit bist du längst keine Kräuterhexe. Eher eine Anfängerin. Ich wurde Heilpraktikerin, beschäftigte mich dabei auch mit Phytotherapie. Allerdings ging es da eher um getrocknete Pflanzen, so machte ich anschließend noch eine Ausbildung zur Kräuterexpertin: Ich wollte mehr über all die Kräutle wissen. Viel mehr! Seitdem bin ich kräuterverrückt. Selbst jetzt, im Winter, kann ich sie entdecken – wenn ich durch den Wald spaziere, d