„Wenn wir geben, bekommen wir …

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Susanne Kippenberger (65) glaubt an Großzügigkeit und Güte. Für ihr Buch spürt sie dieser Tugend nach, erforscht das Schenken – und erzählt hier, was es damit auf sich hat

INTERVIEW SYLVIA NAUSE-MEIER FOTO VARIO IMAGES SHUTTERSTOCK

Glaube, Liebe & Hoffnung

Präsent hat für mich etwas mit Präsentsein zu tun. Damit, einander wahrzunehmen. In jedem Geschenk steckt die Seele des Gebenden.“

Woran glauben Sie?

Ich war einmal in einer irischen Kleinstadt unterwegs und stieg in den Bus nach Dublin. Den Fahrpreis, 18 Euro, hatte ich nicht passend, nur 15 Euro klein und einen 50-Euro-Schein, den der Fahrer nicht wechseln konnte. Da hielt mir ein älterer Herr ein paar Münzen hin: „Hier, wie viel brauchen Sie?“ Es war klar, dass wir beide uns nie wiedersehen würden. Er bot mir, der Fremden, ein Geschenk an. Einfach so. Ich spürte seine Güte – Großzügigkeit. Diese Geste hat mein Herz so erwärmt, weil auch ich daran glaube: an das Geben. An ein Miteinander. Mir ist es wichtig, andere zu sehen. Zu hören. Zu fühlen.

Was genau bedeutet Großzügigkeit?

Weder auf den Pfennig noch auf die Uhr zu schauen: Du gibst etwas von dir, so entsteht Gemeinschaft. Verbindung. Großzügig bedeutet tolerant zu sein; sich selbst und anderen Fehler, kleine Macken zu verzeihen. Forscher haben bewiesen, dass Großzügigkeit stimulierend auf Körper, Seele und Geist wirkt. Es ist schwierig, wütend oder ängstlich zu sein, wenn man sich anderen gegenüber selbstlos verhält. Für ihre Studie haben die US-Wissenschaftler 2000 Landsleute ausführlich befragt. Diejenigen, die sich darin als glücklich bezeichneten, arbeiteten im Schnitt 5,8 Stunden im Monat ehrenamtlich. Die Unglücklichen nur 0,6 Stunden. Menschen, die anderen gern helfen, die sich kümmern, haben ein größeres Geflecht an Beziehungen, sind körperlich aktiver und erfreuen sich an einem sinnvollen Leben. Wenn wir geben, bekommen wir – wenn wir festhalten, verlieren wir.

Was haben Sie über das Schenken gelernt?

Schenken, so steht es im Grimm’schen Wörterbuch, kommt von Einschenken: Mit der Gastfreundschaft fing alles an. Dem Fremden wurde eine Erfrischung gereicht, eine Begrüßung, die mehr als eine Form der Entwaffnung war. Der Gastronom Lothar Tubbesing hat vor Jahren, zusammen mit dem Pfarrer der Lübecker St.-Petri-Kirche, wildfremde Menschen auf der Straße angesprochen und zum Essen an (s)einer festlich gedeckten Tafel in der Kirche eingeladen. Einzige Rege