Die Gefahr ist groß, jetzt den Anschluss zu verpassen“

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INTERVIEW DONNER & REUSCHEL

Aus der Alles-Rally könnte bald schon die Innovations-Rally werden. Wie Anleger von der Transformation der Wirtschaft profitieren können, sagt Carsten Mumm Chefvolkswirt bei Donner & Reuschel

CHEFÖKONOM CARSTEN MUMM: „Wir stecken nicht in einer Blasenbildung, wo alles gekauft wird, was mit Technologie zu tun hat.“

Die „Alles-Rally“ war für mich die treffendste Beschreibung des Aufschwungs an den Anlagemärkten im ersten Quartal. Die war von Ihnen. Zwischenzeitlich ist der Aufschwung ins Stocken geraten, doch gerade nimmt er wieder Fahrt auf...

Carsten Mumm: Oh, Danke! Die passte gut zur Situation im ersten Quartal. Nicht nur Aktien, auch Gold und Bitcoin sind im Kurs gestiegen. Nur Anleihekurse habe ich unterschlagen. Steigende Renditen bei Anleihen deuten ja im Gegenteil auf Kursverluste hin. Die Rally an den Anlagemärkten kann natürlich nicht ungebremst so weitergehen. Zwischenzeitlich befanden wir uns in einem Konsolidierungsmodus auf hohem Niveau. Wir holten etwas Luft. Die Rally ist aber weiterhin intakt.

2023 waren es vor allem die ‚Magnificent Seven‘, die großen Techwerte, die die Aktienmärkte nach oben getrieben haben. Sehen Anleger nun differenzierter auf Aktien?

Mumm: Durchaus und das ist auch gut so. Wir sind nicht in einer Blasenbildung, wo alles gekauft wird, was mit Technologie zu tun hat. Auch die ‚Magnificent Seven‘ sind keine sieben mehr. Zwischendurch waren es vier, jetzt wieder fünf. Tesla und Apple können nicht mehr mithalten. Das Interesse der Anleger hat sich zwar geweitet. Aber dass der Markt nicht in der gesamten Breite gekauft wird, ist ein gutes Zeichen.

Die Erwartung zeitnaher Zinssenkungen war einer der Haupttreiber. Ist diese noch realistisch?

Mumm: Hier macht sich in der Tat Ernüchterung breit. Nach Corona, Hochinflationsphase, Lieferkettenproblemen und der geopolitischen Entwicklung lassen sich Inflations- und Wachstumsdaten schwer vorhersagen und Leitzinsentscheidungen treffen. Die Notenbanken fahren auf Sicht.

Wann rechnen Sie mit ersten Zinssenkungen?

Mumm: Ich rechne mit einer ersten Leitzinssenkung durch die EZB im Juni. Bei der Fed ist es schwieriger. In den USA zeigt sich die Wirtschaft erstaunlich robust. Selbst der Internationale Währungsfonds (IWF) passte die Wachstumsprognose in regelmäßigen Abständen nach oben an. Das Wachstum erzeugt noch immer eine relativ hohe Inflationsdynamik. Erst jetzt zeigen sich erste Anzeichen für eine Abkühlung am Arbeitsmarkt. Die Fed dürfte auf eindeutige Signale eines nachlassenden Preisdrucks warten, bevor sie konkrete Zinssenkungen in den Raum stellt. Ich rechne mit nur noc

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