DIE NEUE LUST AM MODEEXZESS

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Spüren Sie gerade auch einen großen Drang zu shoppen? Unsere Expertin verrät, weshalb Mode uns in Krisen guttut und warum wir gar kein schlechtes Gewissen haben müssen, uns dekadenter und extravaganter zu kleiden denn je. Im Gegenteil!

INTERVIEW: ANNEKE STEUWER

LA DOLCE VITA „In der Gucci-Welt gehen Probleme nie tiefer als in einem Film vom Wes Anderson.“, schreibt Mode-Kritiker Eugene Rabkin auf Highsnobiety. Farbenfroher Eskapismus zum Anziehen sozusagen. Und den gab es auch in dieser Sommer-Kampagne des italienischen Labels zu sehen

seit Jahren, die sich wie Jahrzehnte der Askese und des Verzichts anfühlen, haben wir erstmals wieder so richtig Lust auf Mode. Genauer gesagt, auf diese extravaganten, opulenten Styles, die uns in eine (Traum-)Welt entführen: voller Farben, Sinnlichkeit und Hedonismus und völlig frei von Sorgen, Krieg und Krisen. So viel Eskapismus kannte man bislang nur aus Büchern, Filmen und Musik – warum ausgerechnet jetzt die Mode zu unserem neuen Zufluchtsort wird und was Marie Antoinette (ja, die mit dem Kuchen) damit zu tun hat, verrät uns Modejournalismus-Professorin Dr. Diana Weis.

Krisen, Krieg, Inflation – warum haben viele Menschen ausgerechnet jetzt so viel Spaß an Mode?

Bei all den schlimmen Nachrichten haben wir oft das Gefühl, keine Kontrolle mehr zu haben. Doch die Mode können wir noch selbst bestimmen. Sie kann uns dabei helfen, uns besser zu fühlen und mit Krisen umzugehen. Durch sie erzählen wir unsere eigene Geschichte.

Der Kleiderschrank als Zufluchtsort?

Ja, genau! Mode ist dieser kleine Bereich, in dem wir uns selbst ein gutes Gefühl geben können. Denn wir alle haben berechtigte Ängste und können nicht viel dagegen tun – Mode hingegen ist Empowerment im ursprünglichen Sinne und diese Selbstkontrolle beruhigt uns. Außerdem ist Kleidung, genau wie Make-up, eine Art Coping Mechanism: Ich kann jetzt etwas tun und fühle mich danach besser als zuvor – ein Erfolgserlebnis.

Warum eignet sich ausgerechnet Mode so gut, um dem Alltag zu entfliehen?

Weil sie sich schnell wandelt und relativ einfach ist. Es ist leichter, sich umzuziehen, als sich tätowieren zu lassen oder Sport zu treiben. Zudem ist Mode stark mit dem Selbst verbunden, mit unserer Identität: Wer bin ich? Wer will ich sein? Was will ich anderen von mir zeigen? Durch diese Beschäftigung mit uns selbst kann Mode zu mehr psychischer Gesundheit beitragen.

It-Labels wie Gucci spielen mit diesem modischen Eskapismus, andererseits verbreiten Labels wie Balenciaga fast schon eine Weltuntergangsstimmung …

Gucci ist traditionell romantisch mit viel Glit


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