Wie man (k)ein Netzwerk baut

3 min lesen

BTX & MINITEL

Vor 40 Jahren sollte in Deutschland ein digitales Zeitalter beginnen. Doch die Revolution blieb aus; kaum jemand nutzte das neue Netzwerk, den Bildschirmtext. Wie Frankreich zeigte, hätte es auch anders kommen können

FOTO: DPA

1993 verbrachten die Franzosen 90 Millionen Stunden im Minitel, einem digitalen Online-Netzwerk. Dort konnten sie Reisen buchen, ihr Smarthome steuern oder Lebensmittel bestellen, die innerhalb weniger Stunden vor der Haustür erschienen. Und wir Deutschen?

Deutschland hatte ebenfalls ein digitales Netzwerk, den Bildschirmtext, kurz BTX. Doch das nutzte praktisch niemand. Zur Einführung von BTX am 1. September 1983 gab es kaum Interessenten. In Frankreich sah die Sache hingegen deutlich besser aus: Bereits 1986 waren dort zwei Millionen Minitel-Geräte aktiv. BTX hatte da nur 60.000 Nutzer.

Den Rückstand konnte BTX kaum mehr aufholen. Als 1999 circa 25 Millionen Menschen im Minitel surften, war der Zenit von BTX bereits überschritten. BTX hatte 1995 seinen Höchstwert von einer Million Menschen erreicht – und das erst, nachdem der Service an einen Internetvertrag von T-Online gekoppelt wurde. Doch wie konnte BTX so krachend scheitern, während Minitel so erfolgreich war?

Ein teures Vergnügen

Als der Bildschirmtext vor 40 Jahren online ging, konnte das Netzwerk eigentlich mit der Konkurrenz mithalten: Auch hier konnten die Nutzer digitale Tickets kaufen, Überweisungen tätigen oder Kleider bestellen – und das sogar ganz bequem vom Sofa aus. Denn im Gegensatz zum Minitel ließ sich BTX mit Decoder und Modem direkt auf den Fernseher übertragen. Zumindest, wenn man denn einen zu Hause hatte – denn hier haperte es bereits.

Die Hardware, allen voran der Decoder, war sehr teuer: 1984 kostete einBTX-Decoder 2.000 D-Mark, was heute inflationsbereinigten 2.133 Euro entspricht. Dazu kam eine monatliche Gebühr von achtD-Mark sowie eine Anschlussgebühr, die 55 DM kostete. Doch damit nicht genug: Die Betreiber konnten für jeden Seitenaufruf bis zu 9,99 DM oder pro Minute bis zu 1,30 DM berechnen. Für viele Menschen war all das schlicht zu teuer.

Arbeit am Bildschirmtext BTX ließ sich auch mit einer Tastatur bedienen. Wie hier im Wetteramt Offenbach kam BTX auch bei der Arbeit zum Einsatz
FOTO: DPA
Frankreich: Minitel-Terminals für lau Das klassische Minitel-Terminal ließ sich über seine Tastatur steuern. Später lief Minitel auch über Emulatoren am Computer
FOTO: DPA
Passwort bitte Über diesen Bildschirm konnten sich BTX-Kunden mit Teilnehmernummer und Kennwort bei BTX einloggen
FOTO: MUSEUMSSTIFTUNG POST UND TELEKOMMUNIKATION

Aber nicht nur deswegen geriet BTX in die Kritik: 1984 hatte es der damals noch unbekannte Chaos Computer Club offenbar geschafft, das BTX-Konto der Hamburger Sparkasse zu hacken. Zwar zweifelte die Post an der Vers

Dieser Artikel ist erschienen in...

Ähnliche Artikel

Ähnliche Artikel