Autonome Bewegung

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Von Clemens Gleich

Illustration: DWA

Das autonome Fahrzeug schien gleich um die Ecke. Dann kamen wir um die Ecke, doch es war nicht da, und die nächste Ecke schien plötzlich sehr weit weg.

Vor über zehn Jahren saß ich in einem Hinterzimmer Hamburgs mit Menschen aus Automobil- und Medienbranche zusammen, um über die Implikationen einer Technik zu sprechen, die es nicht gab und weiterhin nicht gibt: autonom fahrende Fahrzeuge. Der Hype darum entstand damals, wie er immer entsteht: Enthusiasten sehen plötzliche Fortschritte in einem Technikzweig und gehen hoffnungsfroh und irregeleitet davon aus, dass die weitere Entwicklung genauso steil weitergeht wie im ersten Sprung. Diese Annahme ist ebenso naiv wie jene, dass in Zeiten technologischen Stillstands (für das autonome Fahrzeug zum Beispiel die beiden „KI-Winter“ ab 1969 und 1987) nie mehr irgendetwas vorangehen werde. Die Wahrheit liegt dazwischen. Wir sehen sie heute: Fahrhilfen sind auf einem hohen Niveau angekommen. Das vollkommen autonom fahrende Fahrzeug jedoch scheint nicht mehr um die Ecke. Gavin Jackson vom Autonom-Startup Oxa sagte in einem Interview mit dem Guardian, das voll autonom fahrende Fahrzeug kann noch weitere zehn Jahre dauern. Oder zwanzig. Und das sagt jemand, der mit der Idee Investoren locken möchte.

Wir erinnern uns: 2016 wollte Audi Teilautonomie anbieten, der A8 sollte Autobahnen ohne menschliche Fahrbereitschaft absolvieren. Audis verfügbare Technik dazu war jedoch stark „underwhelming“, wie der Angelsachse sagt. Google testete in Simulationen und kleinen, eiförmigen Miniautos, wie das Autonommobil funktionieren könnte und der Chef der Sparte sagte 2012, den 2017 fälligen Führerschein könne sein Sohn sich bereits sparen. Er musste ab 2017 viel Kreide fressen für den vorher so voll genommenen Mund.

Mercedes-Benz hat mittlerweile einen Autobahnpiloten im Angebot, der auf entsprechend genau kartographierten Abschnitten bis 60 km/h ohne Fahrerbeteiligung fährt, also konkret übernimmt das System auf diesen Abschnitten das Staufahren. Das ist ja schon mal ganz gut, aber der Komfortgewinn gegenüber den lange bekannten Fahrhilfen mit Stauanfahrfunktion ist so gering, dass sich die Verkäufe bei Mercedes in Grenzen halten und BMW zunächst gar kein Geschäftsmodell für die Technik auf aktuellem Stand sah, aber die Meinung gerade wieder ändert. Honda verkaufte etwas Ähnliches in Japan in einer Sonderedition des Autos „Legend“, das rund 100.000 Euro kostete und trotzdem auf 100 Stück beschränkt war, was BMWs