Unschöne Zeiten

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Gebrauchtwagenkäufer, Händler und Werkstätten haben ein SCHWIERIGES JAHR hinter sich. AUTO blickt ein weiteres Mal in den Report der Deutschen Automobil Treuhand (DAT).

Johannes Köbler

Illustrationen: Adobe Stock

Eigentlich, so schreiben die Autoren, hätten sie gerne mit Sekt und Konfetti gefeiert, denn ihr Report, der Pulsmesser der deutschen Autobranche, erscheint dieses Jahr zum 50. Mal. Aber der Blick auf die Zahlen habe die gute Laune zunichtegemacht: 2023 war erneut ein schwieriges Autojahr, kaum besser als 2022. Ein Gespenst geht um in Deutschland, und es heißt Kaufzurückhaltung. Vorab zwei Nachrichten, eine gute und eine schlechte. Die gute: Der mittlere Preis für Gebrauchtwagen ist zum ersten Mal seit 2017 wieder gesunken. Als Lokomotive fungierte hierbei der Neuwagenmarkt, der 2023 wieder Fahrt aufnahm, nachdem ihn zuvor Corona und Lieferkettenprobleme eingebremst hatten. Dadurch kamen relativ viele Gebrauchte, nicht zuletzt aus Leasing- und Mietwagenbeständen, in den Verkauf.

Die schlechte Nachricht: Der Preis ist gerade mal um ein Prozent gesunken – um 180 Euro auf 18 620 Euro. Schon seit zehn Jahren zieht der Trend zu teuren Neuwagen einen starken Preisanstieg bei den Gebrauchten nach sich.

Markttrend: Erholung auf niedrigem Niveau

In der Secondhand-Welt hatte der durchschnittliche verkaufte Pkw im vergangenen Jahr 140 PS; bei den Neuwagen waren es 178 PS. Stärker und teurer – in Zeiten von Inflation, stagnierender Wirtschaft und eingetrübten Zukunftsperspektiven ist dies kein guter Trend. Das zeigt schon die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes: 2023 wechselten 6 030 874 Gebrauchtwagen den Besitzer; im Vergleich zum Vorjahr mit 5,64 Millionen bedeutete dies zwar eine Erholung um sieben Prozent, aber auf sehr niedrigem Niveau. Die Erkenntnisse, die die DAT in Interviews mit über 2600 Pkw-Haltern gewonnen hat, zeigen das Ausmaß der Verunsicherung auf: 44 Prozent der Befragten bezeichneten ihre eigene finanzielle Situation als eher schlecht; 80 Prozent erklärten, sie würden ihr Auto länger fahren als geplant, um die Entwicklung abzuwarten. Und elf Prozent verzichteten aufgrund der hohen Preise auf einen fest geplanten Autokauf; bei den Befragten unter 30 Jahren handelte sogar jeder Vierte so. Kein Wunder: Erstkäufer mussten im Schnitt 9430 Euro für ihren Gebrauchten bezahlen, so viel wie noch nie.

Mehr als zwei Drittel derjenigen, die sich einen Gebrauchtwagen zulegten, taten dies unter Druck – 80 Prozent der jungen Käufer erklärten, dass die Anschaffung absolut not

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