Der Verbrenner zündet auch morgen

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Meinung

Grundsätzliche Skepsis, mangelnde Lademöglichkeiten und fehlende Zuschüsse bremsen den Hochlauf des E-Autos. Auch die Industrie-Prognosen fallen inzwischen vorsichtiger aus. Die Branche muss sich ehrlich machen

Stefan Miete, Chefredakteur
BMW-Chef Oliver Zipse: Die Münchner setzten früh aufs E-Auto – aber auch auf alle anderen Antriebe
Fotos: M. Scherag (1), Kai Uwe Knoth (1)
Mercedes-Lenker Ola Källenius bekennt, dass es heute kein Enddatum für den Verbrenner gibt

Liebe Leserinnen und Leser,

kein Thema hat in Autofahrer-Kreisen für so viele Diskussionen gesorgt wie das politisch motivierte Aus des Verbrennungsmotors. Europa muss seinen Beitrag zur Senkung des CO2-Ausstoßes leisten. Es geht nicht anders, und es wäre schlichtweg inakzeptabel, wenn sich eine der reichsten und energiehungrigsten Regionen der Welt für nicht zuständig erklären würde. Nur ist es für die Regierenden ausgesprochen schwierig, ambitionierte Pläne umzusetzen, wenn die Regierten nicht mitziehen. Also gingen die Strategen listig vor. Die drei Hauptemittenten von CO2 sind die Industrie, der Hausbrand und der Verkehr. Schnell war klar, wo die Politik den größten Hebel ansetzen konnte – beim Auto. Beschränkungen kommen bei der Industrie schlecht an, die reflexartig den Verlust abertausender Arbeitsplätze in Aussicht stellt. Und beim Hauseigentümer schon gar nicht, wie der kollektive Aufschrei anlässlich der Wärmepumpen-Initiative bewies.

Die Autofahrer als Dritte im Bunde haben keine schützende Lobby. Sollen sie doch Elektro-Autos fahren! E-Mobile, so sagt Brüssel, sind sauber. Sie fahren lokal emissionsfrei. An dieser Stelle wollen wir uns nicht in Details verheddern, dass auch E-Autos irgendwie hergestellt werden müssen und der lokal fehlende Auspuff ganz real draußen vor der Stadt steht – im günstigsten Fall als Windrad, im ungünstigeren als Kraftwerks-Schlot. Das eigentliche Problem ist, dass man den Menschen nicht vorschreiben kann, mit was sie fahren sollen. Der vom Arbeitgeber alimentierte Firmenwagen ist keine Selbstverständlichkeit. Es fällt leicht, ein Kreuz beim E-Auto zu setzen, wenn Unterhalt und Wiederverkauf bei den Überlegungen keine Rolle spielen. Otto-Normalfahrer sieht das naturgemäß ganz anders, vor allem dann, wenn er gar keine Lademöglichkeit

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