Bob Dylan Shadow Kingdom

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Foto: Sony Music Entertainment

Welch eine Stimme! Seit Jahren hatte Bob Dylans vokale Präsenz nicht das Niveau wie bei diesen Live-Aufnahmen aus dem Jahr 2021. Mitten in der Pandemie stand der legendäre Songschreiber erstmals seit September 2019 wieder auf der Bühne: An sieben Abenden interpretierte er in einem Club in Santa Monica 13 frühe Songs aus seinem Fundus, sorgsam ausgewählt für diese Auftritte. Die Sessions endeten mit dem instrumentalen „Sierra’s Theme“, der Meister wurde begleitet von Alex Burke, Buck Meek, Shahzad Ismaily, Janie Cowan und Joshua Crumbly – alle mit Maske.

Diese grandiose Performance wurde von der israelisch-amerikanischen Regisseurin Alma Har’el gefilmt und im Konzert-Streamingdienst Veeps ab 18.

Juli 2021 eine Woche lang ausgestrahlt. Bei dem Auftritt präsentierte der 80-Jährige Neuzeit-Auflagen von Klassikern wie „When I Paint My Masterpiece“, „Tombstone Blues“, „It’s All Over Now, Baby Blue“, „Forever Young“ und „What Was It You Wanted“. Dabei nahm Dylan teilweise textliche Veränderungen vor, zum Beispiel für das klagende „To Be Alone With You” aus „Nashville Skyline“ (1969) – immer im Ohr mit der Eröffnungssequenz „Is it rolling, Bob?“ Hier fügte er einen Vers darüber ein, dass er eines Mordes verdächtigt wird und sinniert über „irdische Sorgen“ und „sterbliche Glückseligkeit“. Der Film „Shadow Kingdom: The Early Songs of Bob Dylan“ ist ab 6. Juni als Download oder Ausleihe verfügbar.

✪ MTV Unplugged (1995)

AUDIOPHILE CDs DES MONATS

Thierry Maillard, William Russo Bluesrock, Neo-Klassik Symphonic Blues Project Indesens/KCK (CD)

1972 dirigierte Seiji Ozawa die Siegel-Schwall Band und das San Francisco Symphony bei den „Three Pieces for Blues Band and Symphony Orchestra“ des US-Komponisten William Joseph Russo (1928–2003). Das französische Quartett Awek Blues und das Orchestre Victor Hugo kitzelten mit Kammermusik-Feeling die dynamischen Überraschungsmomente des Crossover-Standardwerks heraus. Die zweite Hälfte gehört hier dem viersätzigen „Symphonia Blues“ von Thierry Maillard, der Blues- und Klassikfreunden sprödere Klänge zumutet als Russo vor einem halben Jahrhundert. Der 1966 geborene Franzose legt sein Rock-meets-Classic-Projekt sinfonisch breiter an. Während sich die von Stephane Betolino virtuos geblasene Bluesharp als Orchesterinstrument unterordnet, lässt der Komponist im vierten „Symphinia“-Satz den Awek-Gitarristen Bernard Sellam auch solistisch glänzen.

✪ Leonard Bernstein: Symphonic Dances „West Side Story“

Arlo Parks

My Soft Machine Pias-Transgressive/Rough Tr